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Seychellen

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Ein Feind namens Ratte

Ratten gehören zu den wenigen Arten, für die der Mensch einen Segen bedeutete, denn ohne seine Hilfe hätten sie nie eine so weite Verbreitung erreichen können. Nachdem die Hausratte (Rattus rattus) im 15. bis 17. Jahrhundert zu einer der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit - der Pest - beigetragen hatte, wurde sie durch die Schiffahrt in die ganze Welt ausgebreitet. Von den ursprünglichen Lebensräumen in Asien hat sie sich als reproduktionsfreudiger Kulturfolger in die ganze Welt verbreitet, und nur wenige Inseln im Ozean blieben vor ihr verschont. Die meisten Seychelleninseln gehören leider nicht zu ihnen. Vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelangte sie auch hierher. In der neueroberten Heimat sorgten die Ratten dann für weitere Katastrophen, diesmal ökologischer Natur.

Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Auswirkungen der Ankunft der Hausratten auf verschiedenen Inseln. Dort, wo es bereits vorher endemische Rattenarten gegeben hat, wie beispielsweise auf Christmas Island, Galapagos oder den Westindischen Inseln, waren die Schäden an der endemischen Vogelwelt geringer. Offensichtlich hatten sich die dortigen Vogelarten in ihrem Verhalten der Gefahr eines derartigen Predators und Bruträubers angepaßt und entsprechende Gegenstrategien entwickelt. Katastrophal waren die Folgen der Ratteninvasion vor allem dort, wo es vorher keine Ratten gegeben hat - so auch auf den Seychellen, wo außer einer Flughund- und einer Fledermausart ursprünglich keine Landsäugetiere lebten. Auf solchen Inseln konnte es innerhalb einiger Jahrzehnte zum vollständigen Aussterben von Vogelarten, aber auch anderen Tieren kommen, denn ihnen fehlten die entsprechenden feindvermeidenden Strategien.

Das bisher Gesagte klingt einleuchtend, es gibt aber auch ursprünglich rattenfreie Inseln, auf denen die Ankunft der Hausratten kein großes Artensterben zur Folge hatte. Neben Samoa oder Tonga ist auch das zu den Seychellen zählende Aldabra-Atoll ein Beispiel dafür. Wie ist das erklärbar? Untersuchungen haben eine bemerkenswerte Erkenntnis zutage gefördert: Auf solchen Inseln bildeten große Landkrabben eine Art "Rattenäquivalent". Sie sorgten für einen Feinddruck, der mit jenem der Ratten einiges gemeinsam hat und für die Vögel die Entwicklung entsprechender Verhaltensweisen und Abwehrstrategien notwendig machte. Ähnlich wie Hausratten können auch manche große Landkrabben auf Bäume klettern, so der Gigant unter ihnen, der Palmendieb (Birgus latro), und dort Eier und Jungvögel fressen. Diese Krabbe kann aber auch ausgewachsene Ratten erbeuten, was auf Aldabra wiederholt beobachtet wurde. Die Ankunft der Ratten auf Inseln mit "Rattenäquivalent" bedeutete für die Vögel zwar einen zusätzlichen neuen Feind, aber trotz Verlusten wurden sie dank der entsprechenden Strategien mit dieser Gefahr fertig. Allerdings sollen die Ratten auf Aldabra nicht als "harmlose" Tiere hingestellt werden: Sie sind hier zwar überwiegend Vegetarier, richten aber trotzdem großen Schaden an der Vogelwelt und sogar an jungen Meeresschildkröten an, die sich nach dem Schlüpfen in der Nacht schnell über den Sandstrand zum Meer bemühen. Die rattenfreien Inseln Cousin, Cousine, Frégate und Aride bleiben die wichtigsten und bekanntesten Vogelinseln der Seychellen. Bird Island - auch eine berühmte Vogelinsel - wurde erst 1967 von Ratten verseucht. Sie versteckten sich in einer Lieferung großer Blätter, die als Dachbedeckung für Häuser und Hütten bestimmt war. Ratten richten seitdem - vorläufig begrenzt - Schaden an Kokospalmen und Vögeln an.

 
   
Äußere Inseln
(Koralleninseln)
Innere Inseln
(mit Ausnahme von Bird granitisch)
Insel Aldabra Cosmo-
ledo
Farqu-
har
Cerf Desno-
eufs
Mahé Frégate Bird Island Cousin Cousine Aride
Ratten ++* ++ ++ -- -- ++ -- ++
(seit 1967)
-- -- --
große Seevögel-kolonien ++ + ++ ++ ++ -- (++) ++ ++ ++ ++
Mabuya wrightii -- -- -- -- -- -- ++   -- ++ ++
 
*Angaben nach Stoddart (1982)
(++) - früher wichtige Seevögelkolonien, heute beeinträchtigt

  Tabelle 4: Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein großer Seevogelkolonien und dem Vorkommen von Ratten am Beispiel einiger Seychelleninseln. Die bedeutendsten Seevogelkolonien der Granitinseln befinden sich auf rattenfreien Inseln, auf wichtigen Vogelinseln mit Ratten (vor allem den Äußeren Inseln) gibt es meist ein "Rattenäquivalent" in Form großer Krabben. Die Tabelle zeigt zusätzlich das Vorkommen der Glattechse Mabuya wrightii, das sich offensichtlich auf granitische Inseln mir großen Seevogelkolonien beschränkt.


Nicht nur Vögel, sondern auch viele andere Tiergruppen wurden durch Ratten negativ beeinflußt. Der endemische Bronzegecko (Ailuronyx RSEChellensis) ist nur auf rattenfreien Inseln wirklich häufig. Auf Marianne, wo Bronzegeckos ursprünglich sicher vorkamen, ist diese Art nach der Ankunft der Ratten verschwunden. Auch auf Mahé und La Digue - beides Inseln mit Ratten - ist der Bronzegecko sehr selten. Die endemische Wolfschlange (Lycognathopis seychellensis) wird ebenfalls von großen Ratten angegriffen.
Viele Versuche, der Rattenplage Herr zu werden, gingen leider in die falsche Richtung. Durch die eingeschleppten Katzen erhielten die endemischen Vögel - die man durch die Katzen eigentlich schützen wollte - einen zusätzlichen Feind, und die 1949 aus Ostafrika eingeführte Schleiereule (Tyto alba affinis) kann die Ratten - trotz regelmäßiger Jagd auf sie, wie Analysen der Eulen-Nahrungsreste zeigen - nicht wirklich ausrotten. Durch Schleiereulen nahezu ausgerottet wurden auf Mahé, Praslin und zum Teil auch auf La Digue vielmehr die zierlichen weißen Feenseeschwalben, die den Air Seychelles als Wahrzeichen dienen. Die gezielte Bekämpfung der Schleiereule - 30 Rupies Belohnung für einen erlegten Vogel - führte nicht wirklich zu ihrer Dezimierung. Heute ist sie auf nahezu allen Granitinseln einschließlich Cousin und Cousine zu finden.

Feensees-flug

Tropicbird
     


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