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Seychellen

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Kleine Lektion der Inselökologie

Die Seychellen bieten ein ausgezeichnetes Terrain für grundsätzliche Überlegungen zur Inselökologie. Der faszinierende Wissenschaftszweig beschäftigt sich mit ökologischen Phänomenen auf Inseln, wie Besiedlung durch Tiere und Pflanzen, der Art dieser Besiedlung (wie etwa durch den Wind, durch Verdriftung auf Treibholz und Meeresströmungen, durch andere Tiere oder Menschen), der Artenvielfalt, den Konkurrenzverhältnissen zwischen den Arten, der Artbildung und Aufspaltung in mehrere Arten, der Aussterberate, den Auswirkungen der Isolation auf die Körpergröße, den ökologischen Auswirkungen von eingeschleppten fremden Arten und vielen anderen Fragen. Eine Insel liefert wie ein natürliches "Laboratorium" bemerkenswerte Einsichten zum besseren Verständnis von ökologischen Vorgängen.

Im Unterschied zu vielen anderen Inseln und Archipelen der Welt waren die Seychellen vor 1770 nicht von Menschen besiedelt. Lange Zeit konnte sich hier die Natur somit ungestört entwickeln. Überall dort aber, wo es eine menschliche Besiedlung - auch lange Zeit vor den Europäern - gab, ist es auch zum massiven Aussterben von Arten gekommen, am stärksten wahrscheinlich unter Landvögeln.

Eine grundsätzliche und vielfach bestätigte Erkenntnis der Inselökologie ist, daß die Anzahl der Arten oder Artenvielfalt auf Inseln von deren Größe und der Entfernung zur nächsten großen Landmasse, meist Kontinenten, abhängt (siehe Tabelle 1).

 
 
 
Seychellen
Anzahl der Arten,
davon endemisch:
(Zahl in Klammern)
Madagaskar
Anzahl der Arten l
Komoren
Anzahl der Arten
Maskarenen
(Réunion, Mauritius,
Rodrigues)
Anzahl der Arten
  Ursprung
41 Inseln kontinental1,
der Rest Koralleninseln
kontinental1
vulkanisch
vulkanisch
  Landfläche (km2)
455
587.041
2236
Ré: 2512
Ma: 1843
Ro: 104
  Entfernung von Afrika (km)
ca. 1600 (Zentralgruppe)
400
500
ca. 2500
  Amphibien insgesamt
12 (11)
> 150
-
2
  Blindwühlen
7 (7)
-
-
-
  Froschlurche
5 (4)
> 150
-
2
  Reptilien insgesamt *
26
ca. 280*
> 24*
> 28*
  Geckos
13 (5)
75
12
14
  Skinke
6 (5)
46
5
4
  Schildechsen
1
15
-
-
  Chamäleons
1 (1)
ca. 60
2
1
  Schlangen
3 (2)
ca. 65
5
7
  Schildkröten
ohne Meeresschildkröten
2 (1)
9
-
1
 
  Die Angaben stammen aus Stoddart (1984) und Henkel & Schmidt (1995).
* Leguane und Agamen fehlen auf den Seychellen; Schildechsen (Zonosaurus madagascariensis) kommen unter den Seychelleninseln nur auf Aldabra vor.

Tabelle1: Vergleich der Artenzahlen der Amphibien und Reptilien zwischen den Seychellen, dem viel größeren Madagaskar, den Komoren und den Maskarenen. Der Zusammenhang zwischen Inselgröße und Artenzahl ist nicht linear; außerdem beeinflussen zahlreiche weitere Faktoren - so z. B. klimatische und ökologische - die Artenvielfalt.

Die relativ niedrige Artenvielfalt auf den Seychellen ist aus der Tabelle deutlich zu ersehen. Gleichzeitig fällt aber die hohe Anzahl der Amphibienarten auf, wenn man nur die Inseln vergleichbarer Größe berücksichtigt. Madagaskar ist als "herpetologisches Schlaraffenland" wegen der enormen Größe - allein die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 1600 Kilometer - und dadurch bedingte Vielfalt an Klimazonen und unterschiedlichen ökologischen Nischen nicht mit den Seychellen vergleichbar.

  Blindwuehle
 
 
  Mahé Praslin Silhouette La Digue Curieuse Félicité Frégate Ste. Anne North
Island
Cerf Grand
Soeur
  Fläche der
Insel (km²)
154 38 20 10,1 3 2,7 2,2 2,2 2 1,3 0,8
  Anzahl der
Amphibien-
arten
11* 8 9 5 2 3 3 3 2 2 2
 
 

*Angaben nach Nußbaum (1982)

Tabelle 2: Zusammenhang zwischen der Größe der Insel und der Artenzahl der Amphibien im Vergleich von elf Seychelleninseln. Insgesamt kommen auf diesen Inseln zwölf Amphibienarten vor.


  Gecko
 
 
  Diptera
Zwei-
flügler
Hymenoptera
(Hautflügler)
Coleoptera
(Käfer)
Lepidoptera
(Schmetter-
linge)
Trichoptera (Köcher-fliegen) Heteroptera, Homoptera (Wanzen, Zikaden, Läuse) Psocoptera (Staubläuse) Orthoptera (Geradflüg-ler) Collembola
(Spring-schwänze)
  Gesamt-zahl der Arten 393* 244 698 261 6 225 47 85 17
  davon ende-misch 279 184 464 119 6 161 38 51 16
 
 

*Angaben nach Stoddart (1982)

Tabelle 3: Der hohe Anteil an endemischen Arten ist unter einigen bekannten Insektenordnungen gut zu erkennen. Die angegebenen Zahlen sind nur Richtwerte, denn die tatsächlichen Artenzahlen dürften unter den Insekten wesentlich höher liegen. Genaue Untersuchungen in bestimmten Gebieten fördern bei Insekten immer wesentlich mehr Arten zutage, als ursprünglich bekannt waren. So hat Scott (1933) für Aldabra nur 307 Insektenarten angegeben, Cogan fand aber 1971 bei einer gründlichen Untersuchung mehr als 1000 Arten!


  Tenrek
 
     
 

Ein typisches Inselphänomen ist das Fehlen großer Raubtiere. Das gilt auch für die Seychellen. Einzige Ausnahme waren die nach zeitgenössischen Berichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert seinerzeit häufigen Krokodile. Reptilien sind auf vielen Inseln die größten Raubtiere - man denke nur an die Komodowarane von der gleichnamigen Insel -, denn sie kommen als wechselwarme Tiere mit wesentlich weniger Nahrung aus als "warmblütige" Säugetiere oder Vögel entsprechender Größe. Und das Nahrungsangebot ist auf Inseln meist begrenzt. Mit dem Verschwinden der Krokodile blieben als Predatoren nur noch einige (kleinere) endemische Vögel wie die Seychellen-Zwergohreule (Otus insularis) und der Seychellen-Turmfalke (Falco araea) übrig. Allerdings nur vorläufig, denn der Mensch sorgte bald für fremdartigen, gefährlichen Nachschub...

Ein weiteres einleuchtendes Inselphänomen ist die relativ hohe Anzahl der Endemiten. Solche Arten kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor, und ihr Aussterben bedeutet gleichzeitig das weltweite und endgültige Aussterben der Art - ein unersetzlicher Verlust. Die Seychellen bieten zahlreiche Beispiele für extreme Endemiten, die auch innerhalb dieser Inselgruppe auf nur wenigen oder einzelnen Inseln vorkommen: Die Froschfamilie Sooglossidae mit drei Arten lebt nur auf Mahé und Silhouette, die Blindwühle Grandisonia brevis nur auf Mahé, die Coco de Mer-Palme gibt es nur auf Praslin (und geringfügig auf Curieuse).

Inselarten entstehen allgemein aus kleinen Gründerpopulationen, im Extremfall sogar aus Gründerindividuen. Die geographische und dadurch auch genetische Isolation von der Ausgangspopulation, die geringfügige Konkurrenzsituation, die sich praktisch immer von jener im Ausgangsgebiet unterscheidet, und die freien ökologischen Nischen führen zur relativ raschen Artbildung.

Markant ist der Trend mancher Inselbewohner zum Riesenwuchs, was im Indischen Ozean besonders durch die riesigen, flugunfähigen und heute allesamt ausgerotteten Landvögel sehr gut dokumentiert ist. Auf den Seychellen sind die Riesenschildkröten das beste Beispiel dafür.

Lange Zeit nahm man an, daß gebirgige Inseln automatisch eine höhere Artendiversität aufweisen als flache. Die bereits erwähnten Seychellenfrösche (Sooglossidae) kommen beispielsweise nur auf Mahé und Silhouette vor, denn nur diese Inseln erreichen die entsprechende Meereshöhe, und nur hier können sich die Lebensräume Nebelwald und Übergangswald bilden. Neuere Untersuchungen auf anderen Inselgruppen zeigen aber, daß es in den Urwäldern des küstennahen Tieflandes wahrscheinlich eine höhere Artendiversität gegeben hat als in den Bergregionen. Diese Küstenregionen wurden überall auf der Welt naturgemäß am schnellsten und gründlichsten zerstört: hier entstanden Siedlungen, und der Wald wurde für Ackerland und Plantagen gerodet. Daß einige Arten heute nur in Gebirgsregionen vorkommen, kann manchmal damit zusammenhängen, daß sie vor der Expansion des Menschen in diese ausgewichen sind und hier am wenigsten gestört werden.

Hier stehen Informationen über blutsaugende Insekten auf den Seychellen zum Download bereit!

  Nektarvogel

Kardinalvogel

Spinnen


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