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Seychellen
Entstehung
und Geologie
- Vor mehr als 160 Millionen Jahren waren die großen Landmassen in
zwei Superkontinenten vereinigt: dem nördlichen Laurasien und dem
südlichen Gondwana. Teile Gondwanas bestanden aus einem etwa 750
bis 500 Millionen Jahre alten Urgestein, jenem Gestein, das wir heute
auf den granitischen Seychelleninseln finden. Granit besteht aus Quarz,
Feldspat und Glimmer, ist besonders innerhalb der kontinentalen Erdkruste
häufig und gehört zu den ältesten Gesteinen der Erde. Er
verwittert an der Erdoberfläche zu übereinandergestapelten,
rundlichen und relativ glatten Felsblöcken - wie wir sie eben von
den Seychellen kennen und wie sie auf La Digue eine Ausprägung wie
im Bilderbuch erreicht haben.
- Vor 160 Millionen Jahren begann Gondwana zu zerfallen. Drei Erdplatten,
die afrikanische, die antarktische und die australische, drifteten langsam
auseinander, bis vor etwa 120 bis 100 Millionen Jahren zwei Bruchstücke
des einstigen Superkontinents, Madagaskar und Seychellea, nahezu ihre
heutige, von Afrika isolierte Position erreichten. Die Drift dieser Mikrokontinente,
wie sie wegen ihrer Entstehung von Geologen genannt werden, ging danach
geringfügig noch etwa 60 Millionen Jahre weiter. Die Distanz zwischen
Madagaskar und dem afrikanischen Kontinent war dabei aber immer viel geringer
als jene der Seychellen von Afrika, wodurch Madagaskar sekundär von
wesentlich mehr Tiergruppen besiedelt werden konnte. Indien lag zu jener
Zeit noch etwa auf der gleichen geographischen Höhe, denn es mußte
von seiner ursprünglichen Lage in Gondwana 8000 Kilometer weit driften
- mit 15 bis 20 Zentimetern pro Jahr in einem plattentektonischen Rekordtempo
-, bis es vor 50 Millionen Jahren, im unteren Tertiär, mit Asien
zusammenstieß.
- Durch das Auseinanderdriften der Landmassen entstand der heutige Indische
Ozean, der in seiner Tiefe diese Entstehungsgeschichte widerspiegelt.
Seine Geburt ist am Meeresgrund zwar nicht so lehrbuchmäßig
einfach abzulesen wie jene des Atlantiks, wo sich genau in der Mitte in
nord-südlicher Richtung ein durchgehender, 15.000 Kilometer langer
mittelozeanischer Rücken durchzieht, eine Bruchlinie, entlang der
die Erdplatten auseinanderdriften und wo neues Material aus dem Erdinneren
aufsteigt. Im Indischen Ozean finden wir im wesentlichen drei solche mittelozeanische
Rücken: den Mittelindischen, den Südwestindischen und den Südostindischen
Rücken. Sie bilden wie ein großer Stern die Trennlinien zwischen
der afrikanischen, der indoaustralischen und der antarktischen Platte,
die in einem einzigen Punkt, dem sogenannten "triple junction"
(bei der Maskareneninsel Rodrigues) zusammenstoßen. Parallel und
westlich zum Mittelindischen Rücken verläuft der kleinere Maskarenenrücken,
an dessen südlichem Ende die Maskarenen mit Réunion, Mauritius
und Rodrigues und an dessen nördlichem Ende die granitischen Seychellen
liegen.
- Das etwa 700 Millionen Jahre alte Gestein der Seychellen ist somit wesentlich
älter als das Meer, von dem es umspült wird. Durch diese Entstehungstheorie
wird verständlich, wie bestimmte Tiere - etwa die Blindwühlen,
die es sonst auf keiner ozeanischen Insel gibt - auf die Seychellen gelangt
sind. Sie überlebten auf diesem Stück isolierter, kontinentaler
Masse, seitdem sie ein Teil Gondwanas war. Gleichzeitig ist aber die endgültige
Abtrennung von Madagaskar und dem afrikanischen Kontinent schon so lange
her - mindestens 120 Millionen Jahre -, daß sich hier keine höheren
Landsäugetiere ansiedeln konnten. Sie erlebten ihre Blütezeit
erst viel später, und die Distanz zu Afrika war mit 1600 Kilometer
für eine nachträgliche Besiedlung - wie im Fall Madagaskars
mit nur etwa 400 zu überbrückenden Kilometern - viel zu groß.
In der langen Zeit der Isolation konnten sich auf Seychellea aus den überwiegend
gondwanastämmigen Vorfahren zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten
entwickeln.
- Am nördlichen Rand der Seychellenplatte liegen zwei Koralleninseln,
die sich vom Rest der granitischen "Inner Islands" unterscheiden:
Denis Island und Bird Island erheben sich aus etwa 55 Meter Tiefe. Zusammen
mit Coëtivy, einer flachen Korallensandbank, den Amiranten, Alphonse
und Farquhar ragen diese als "niedrige Koralleninseln" bezeichneten
Inseln nur maximal zwei bis drei Meter über den heutigen Meeresspiegel
hinaus. Sie bestehen in erster Linie aus Korallen und Sand, der durch
das unaufhörliche Einwirken des Meeres auf Korallenriffe entstanden
ist.
- Neben den bisher erwähnten Seychelleninseln gibt es noch eine dritte,
geologisch unterschiedliche Gruppe von fünf Inseln bzw. Inselgruppen.
Sie bilden die westlichsten Ausläufer der Seychellen und werden von
den Geologen als "hohe Kalksteininseln" bezeichnet: Aldabra,
Astove, Cosmoledo, Assumption und St. Pierre. Die ersten drei haben die
Form eines Atolls und schließen eine zentrale Lagune ein. Tatsächlich
erheben sich die "hohen Kalksteininseln" bis zu acht Meter hoch
über den heutigen Meeresspiegel (der höchste Punkt ist mit 20
Metern eine Sanddüne), und ihre Entstehung verlangt nach anderen
Erklärungen. Geologische Untersuchungen deuten einen vulkanischen
Ursprung dieser Inseln an - ähnlich den Komoren und Maskarenen -,
denn sie stehen in einem Kilometer Tiefe auf einem basaltischen Sockel
(Basalt ist ein Vulkangestein mit kleinen Hohlräumen).
- Was die Entstehungsgeschichte Aldabras und der anderen "hohen Kalksteininseln"
anbelangt, so haben die bereits erwähnten eustatischen (durch die
Eiszeiten bewirkten) Schwankungen der Meeresspiegels, marine Sedimentation,
terrestrische Erosion und anschließende terrestrische Sedimentation
eine wichtige Rolle gespielt. Die terrestrischen Ablagerungen sind reich
an fossilen Knochen von Krokodilen, Riesenschildkröten, Geckos, Skinken
und verschiedenen Vögeln. Diese Fossilfunde belegen die dramatische,
aber geologisch gesehen sehr junge Geschichte dieser Inseln und das wiederholte
Aussterben und Wiederbesiedeln durch die Fauna. Es ist beispielsweise
bekannt, daß Aldabra mehrmals von Riesenschildkröten besiedelt
wurde, nachdem sie durch irgendwelche Faktoren von den Inseln verschwunden
waren. Man würde es den schweren Kolossen nicht zutrauen, aber sie
können ausgezeichnet im Meer schwimmen und so auch größere
Distanzen überbrücken.
- Die heutige, extrem zerklüftete Landschaft Aldabras aus scharfem
Kalkstein, mit tiefen Spalten und den weltberühmten "Pilzinseln"
ist auf Erosion zurückzuführen: die ständige Einwirkung
der Elemente Meer, Sonne, Regen und Wind auf den weichen Kalkstein.
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