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Seychellen
Die
Seychellen und die Eiszeit
- Spricht man über ein tropisches Inselparadies, so scheint der Begriff
Eiszeit nicht recht zum Thema zu passen. Beim Anblick einer einzelnen
Seychelleninsel heute fällt es einem schwer zu glauben, daß
der Jetztzustand nicht etwas Dauerhaftes darstellt, daß er eigentlich
sehr jung ist und daß die heutigen Inseln nichts anderes sind als
die Gipfel eines einstigen Mikrokontinents.
- Die Eiszeiten haben tatsächlich auch auf die Seychellen einen unmittelbaren
und dramatischen Einfluß gehabt. Von einer großen Landmasse
mit bis zu 130.000 Quadratkilometern vor 16.000 Jahren ist Seychellea
innerhalb von 6000 Jahren auf 220 Quadratkilometer geschrumpft. Vor 10.000
Jahren ging dann die letzte Eiszeit zu Ende, der Meeresspiegel stieg an,
und Seychellea wurde nach und nach überflutet, bis es den heutigen
Stand erreichte, der offenbar annähernd dem historisch maximalen
Überflutungszustand entspricht. Allerdings gibt es auf den Seychellen
Meeresablagerungen und Reste von Korallenriffen auch zehn Meter über
dem jetzigen Meeresspiegel; dieser hat auf den Inseln also auch schon
etwas höher gestanden. Solche Ablagerungen - Muscheln, Korallen und
andere Meerestiere - findet man beispielsweise auf der Insel La Digue,
auf großen Granitblöcken hinter dem Süßwassersumpf
"La mare Soupape", hier aber nur zwei bis drei Meter über
dem heutigen Meeresspiegel.
- Auf dem Höhepunkt der Eiszeiten waren die Eismassen mehrere tausend
Meter mächtig, und in den Eiskappen und Gletschern der Erde waren
so große Wassermassen gebunden, daß der Meeresspiegel um bis
zu 180 Meter abgesunken ist - so zumindest nach Berechnungen des finnischen
Geologen Ransey. Je nach Stärke der Vereisung in den verschiedenen
Eiszeiten schwankte der Meeresspiegel beträchtlich, und auch wenn
man aus den vorsichtigen Schätzungen einen Mittelwert nimmt, würde
es bedeuten, daß er wiederholt und über längere Zeiträume
60 bis 80 Meter unter dem jetzigen lag. Da das granitische Plateau, aus
dem sich die heutigen zentralen Seychellen erheben, nur in durchschnittlich
50 bis 60 Meter Meerestiefe liegt, darf man annehmen, daß große
Teile dieses Plateaus eine zusammenhängende Landfläche gebildet
haben. Dadurch läßt sich die Verbreitung mancher Tierarten
auf den einzelnen Inseln zwar leichter erklären, zugleich wirft es
aber auch neue Fragen auf. Beispielsweise, warum sich die Coco de Mer
und verschiedene Tierarten, die nur auf einige oder eine einzige Insel
beschränkt sind, nicht weiter verbreiten konnten. Möglicherweise
waren die Zeiträume des tiefliegenden Meeresspiegels in den Eiszeiten
für eine weitere Ausbreitung nicht lang genug, und die tiefen Ebenen
wurden immer wieder vom Meer überflutet.
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