Sehr schön formuliert, Matthias!
Wer noch nie mit einem KfZ gefahren, wer noch nie hat Plastik besessen, wer noch nie im Winter hat warm bekommen, der werfe, aber nur symbolisch und zum Schein..., um die Kapitalisten zu beschimpfen...
Matthias hats auf den Punkt gebracht, wir alle brauchen das schwarze Gold, und es ist leider noch nicht abzusehen, wann wir es nicht mehr bräuchten. Deswegen auch das schöne Wortspiel mit den Reserven und den Ressourcen. Man spricht davon, daß die Erdölreserven beim momentanen Verbrauch (inklusive der jährlichen Steigerungsrate) noch 40 Jahre reichen wird, das Erdgas noch 60. Ist es dann alle? Keineswegs, dann gibt es ja noch die Ressourcen. Was ist denn das nun wieder? Ressourcen sind ebenso wie die Reserven vorhandene Lagerstätten, aber eben (momentan noch) nicht förderbar / zu erschließen. Aber mit weiterer Abnahme der Reserven wird der Stoff halt teurer,und plötzlich lohnen sich die Ressourcen, welche damit automatisch zu Reserven werden. Oder eben auch die technische Machbarkeit ist mit den Jahren nun gegeben, quasi der Fortschritt ermöglicht es, Ressourcen in Reserven umzuwandeln. Doch auch der Staat kann hier regelnd eingreifen (oder er unterlässt es eben...):
Im Bundesstaat Alaska der Vereinigten Staaten gibt es zahlreiche Ölvorkommen, welche eigentlich zu den weniger anspruchsvollen Fördergebieten zählen würden, aber dennoch sind sie nur als Ressourcen zu betrachten, denn: hier sind Naturschutzgebiete! Der Staat verbietet hier eine Förderung. Zumindest momentan noch, aber auch das wird nur noch eine Frage der Zeit sein!
Und bevor jetzt jemand schreit: Na klar, die Amis.....etc (die ja auch von meinerseits gelegentlich Kritik einstecken müssen...)
Wir Deutschen machens nicht anders! Nur heissts bei uns eben nicht Alaska, sondern Wattenmeer.
http://www.swr.de/report/-/id=233454/ni ... index.htmlNebenbei bemerkt: Es gibt in Deutschland auch Öl unterm Festland. Das weiss ich deswegen, weil ich aus einem Dorf in Süddeutschland komme, wo früher gefördert wurde!
http://cdl.niedersachsen.de/blob/images ... 29_L20.pdf (seite 53 von 67)
In der Legende sieht man sehr schön, daß jedoch nahezu alle Bohrungen eingestellt wurden (aufgelassen). Weshalb? Klarer Fall, es war nicht mehr rentabel. So wichen die Pferdekopfpumpen aus dem Landschaftsbild, bis auf eine: In Rot a.d. Rot steht eine zur Besichtigung als geschichtliches Anschauungsobjekt. Dies könnte sich jedoch auch bald wieder ändern! Denn beim letzten PointPeak des Ölpreises hatte man flugs die Pläne wieder auf dem Tisch, Es gibt also bei uns noch Ressourcen, welche aber erst zu Reserven werden, wenn der Ölpreis eine teurere Förderung wieder rechtfertigen würde.
Um jetzt nach diesem Exkurs jedoch wieder aufs ursprüngliche Thema zurückzukommen: Ich habe das mit den Eiskristallen heute nacht auch noch gelesen, und wollte schon posten, aber eine kleine ethanolinduzierte Kurzzeitgrippe hat mich dann doch davon abgehalten
Das eigentliche Problem dabei ist jedoch nicht nur die Verstopfung der Rohre. Rein von diesem Standpunkt könnte man ja sogesehen sagen: "Na gut, jetzt kann mans nicht mehr fördern, jetzt bleibts halt unten in der Glocke...". Aber es ist dabei eben jenes Problem aufgetaucht, welches ich schon oben beschrieben habe: Die Glocke wird zu leicht! Sie erhält durch das Öl, welches das Meerwasser verdrängt, Auftrieb! Kurioserweise hatte ich das vor zig Tagen beim abendlichen gemeinsamen Grillen schon einem Bekannten erklärt, als dieser mit der Idee der Glocke kam. Darauf habe ich gesagt, die Idee wäre nicht schlecht, aber eben die Dichte. Man müsste das Öl dann kontrolliert aus der Glocke pumpen, man verschließt die Quelle also nicht, sondern baut einen riesigen Staubsauger, Die Glocke fungiert quasi nur als umgekehrter Trichter (muss ja nicht der Schwerkraft entgegenwirken, sondern der Auftriebskraft des Öls, und quasi nur sammeln und zentral nach oben leiten).
Und dann kommt ein Bekannter vom Papa, ein alzter schlauer Fuchs daher, und meint:"Moment! Du hast mir doch erst erzählt, daß es in der Tiefsee so saukalt ist, normal hat Wasser bei 4°C die größte Dichte, aber wegen Druck und so ist es dort nur knapp überm Gefrierpunkt kalt. - Wird da das Öl nicht sulzig?"
Zur Erklärung dazu: ERdöl ist ein Stoffgemisch, mit mehr und weniger langen Kohlenstoffketten. Je nach Auftrennung ergibt das zB die bekanntesten beiden Produkte, Benzin und Diesel. Und jetzt wird der ein oder andere erfahrene Dieselfahrer noch wissen, was früher mit dem Diesel in saukalten Wintern passierte: Er wurde "sulzig" (von Sülze oder Sulz, dem Lebensmittel), ergo auf deutsch: zähflüssig!
Um dem entgegenzuwirken wurde dem Diesel früher ein Anteil Benzin beigemischt, heutzutage hat der Winterdiesel jedoch andere Additive, die eine Veränderung der Viskosität des Diesels bei geringen Temperaturen unterbinden.
Was passiert also in der Glocke? Das Öl kommt nach Austritt aus der Bohröffnung mit dem kühlen Nass in Berührung, und kühlt dadurch sehr rasch ab. Die langkettigen Kohlenstoffe, welche zuvor bei moderaten Temperaturen im Erdreich, wo es bekanntlich einiges Wärmer ist als im Wasser über dem Meeresgrund, erfahren einen Temperaturschock und verklumpen. Wers nicht nachvollziehen kann: Man nehme Rama Culinesse, und vergleiche bei Zimmertemperatur, Kühlschranktemperatur, oder eben nach einiger Zeit im Gefrierschrank.
Und die ganze Chose haben wir vor 2 Wochen bei Bier, Wein und Grillgut am Feuerchen erörtert, und deren hochbezahlte Experten sehen sowas nicht voraus. Ich hab den falschen Job! Und ausserdem hab ich Hunger!
ich bin echt gespannt, was als nächstes kommt, Ich kann nur eines hoffen: Das alle anderen Großen und Kleinen aus der Ölbranche das ganze ebenso verfolgen wie wir hier, und daraus lernen! Vielleicht entwickelt sich daraus eine Art Standartverfahren, um bei solchen Vorkommnissen korrekt zu reagieren. Un um somit in Zukunft weitere Katastrophen jener Art rasch zu unterbinden, oder bestenfalls eben gar nicht erst aufkommen zu lassen.
beste Grüße
Christian