Die wenigsten von uns würden mit Italien spontan Naturschutz assoziieren.
Dennoch: es gibt sie doch, die Naturschutzgebiete in Italien. Um Punta Campanella (Sorrentinische Halbinsel/Tyrrhenisches Meer) ist 1997 ein marines Naturschutzgebiet entstanden. Und das inmitten einer recht mondänen Urlaubsgegend: direkt gegenüber befindet sich die Insel Capri und an Land mündet die Landschaft in die „Costiera Amalfitana“, die berühmte Amalfiküste.
Dennoch polarisiert dieses Gebiet die Meinungen der Umweltschützer in Italien: einigen ist es zu viel der Restriktionen, anderen zu wenig.
Fakt ist, rund um die Halbinsel gibt es 3 Schutzzonen: A, B und C. Details können der Karte unter folgendem Link entnommen werden (aus Copyright-Gründen möchte ich hier die Karte nicht einfügen):
http://www.puntacampanella.org/riserva/AreaProtetta.asp
Zone A(rot): Verbot jeglicher Schifffahrt, Anlegen und Ankern, Schwimmen, Fischen und Tauchen
Zone B(gelb): Verbot von fahren unter Motor, freies Ankern, Tauchen mit Atemgeräten, Unterwasser- und Sportfischerei
Zone C(grün): Verbot von freiem Ankern, jede Form der Sport- und Berufsfischerei
Wer Italien kennt weiß, dass Regeln dazu da sind, um sie zu umgehen. Und so kommt es, dass man es mit den Schutzzonen allgemein nicht ganz so ernst nimmt.
In dieser Gegend kam es zu einem regelrechten Raubbau von Dattelmuscheln. Ganze Unterwasserfelswände wurden beim Ernten mit Bohrhämmern (!) beschädigt und damit Ökosysteme zerstört. Inzwischen stehen die Dattelmuscheln unter Schutz und dürfen nicht mehr geerntet werden. Ein kleiner Schritt.
Inwiefern sich die marine Welt hier vom rücksichtslosen Eingreifen des Menschen erholen konnte, ist mir nicht bekannt. Vielleicht findet sich jemand, der das erforschen möchte?
Es ist eine gute Tauchgegend. Mehr Infos für Interessierte gibt es hier:
http://www.boot.de/cipp/md_boot/custom/ ... 04%3E.html
13.01.2010
Heute lese ich in den Positano News, dass die Mitglieder der Touristischen Vereinigung "Pro Loco" aus Massa Lubrense, einen Antrag auf Aussetzung und Änderung der Naturschutzbestimmungen für das Reservat Punta Campanella gestellt haben. Ein ausschlaggebender Punkt sei unter anderen, dass dabei die traditionelle Fischerei nach "alter Väter Sitte"(?) kaum das Ökosystem schädige und den Fangverbot für Braunen Zackenbarsch (cernia bruna), Meerrabe (corvina) und Bärenkrebs (magnosa) nicht rechtfertige. An dieser Stelle frage ich mich, was traditionelle Fischerei heißt. Ich weiß durchaus, dass man hier und da gerne auch mal Netze auswirft, obwohl die Netzfischerei reglementiert und zu bestimmten Zeiten im Jahr nicht erlaubt ist. Traditionsfischen ist in dieser Gegend interessant für Touristen, man kann mit den Fischern (gegen Bezahlung, versteht sich) auch mal auf´s Meer rausfahren und an deren Alltag teilhaben. Das Ganze erscheint mir eine Gratwanderung, die hoffentlich nicht an der Profitgier scheitern wird!
(Die Übersetzung der Fischnamen ist hoffentlich korrekt und basiert auf Informationen aus Wikipedia. Die Fachbegriffe überlasse ich den Fachleuten

)
Ich werde mich mal umhören, wenn ich wieder Vorort bin und berichten!