Das Forum für Freunde der Meere und Freunde der Natur

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Dieses Forum hat gewissermaßen historische Wurzeln: Es diente bereits ab 2003 als Informationsplattform des Vereins forum natur & zukunft (fnz), einer der Vorgängerorganisationen von MareMundi, die es heute in der alten Form nicht mehr gibt. Ebenso war es die Plattform des Red Sea Environmental Center (RSEC), einer im Jahr 2003 gegründeten privaten Institution für Wissenschaft, Ausbildung und Umweltschutz am Roten Meer (Dahab, Sinai). "Ob groß (Wal) oder klein (Bakterium), ob Pflanze oder Tier, ob Forschung, Naturschutz, Tauchen oder Berichte über spannende Naturreisen, in diesem Forum können Sie nicht nur viel Interessantes über Natur & Naturschutz und die Meere erfahren, sondern auch Ihre Fragen dazu von Experten beantwortet bekommen“, hieß es damals in der Begrüßung des Forums. Seit vielen Jahren sind die Aktivitäten dieser Forschungs- und Naturschutzinstitutionen unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins MareMundi vereint: MareMundi - Verein zur Förderung der Meereswissenschaften (ZVR 051890525, mare-mundi.eu). Die Meeresschutzorganisation betreibt unter dem Namen Schule am Meer eine Feldstation für Meeresbiologie, Meeresschutz und Ausbildung auf der kroatischen Insel Krk. MareMundi verfolgt drei große Ziele: Schutz ökologisch wertvoller Lebensräume, allgemein zugängliche Bildung in Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit sowie Forschung (Problemanalysen und Lösungsansätze). Wir haben es selbst in der Hand. Nur zusammen können wir die Zukunft gestalten. Und so laden wir Sie ein: Denken Sie mit, diskutieren Sie mit, werden Sie Teil der Problemlösung!
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BeitragVerfasst: 28 Feb 2008 12:23 
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Berühmte Rotmeerforscher: Beispiel für Klunzingers Beobachtungen

© Claudia Gela & Dr. Robert Hofrichter, RSEC Dahab & El Quseir, www.redsea-ec.org, www.mare-mundi.eu.
Dies ist Teil eines RSEC-Skriptums, die Unterlagen sind urheberrechtlich geschützt, ihre unerlaubte Verwendung ist untersagt.



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Geboren: 18. November 1834 in Güglingen. Gestorben: 21. Juni 1914 in Stuttgart.
Deutscher Tropenarzt und Zoologe, berühmter Rotmeerforscher.


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Beispiel für Dr. C.B. Klunzingers scharfe Beobachtungen und Darstellungskunst seien einige Abschnitte aus der Beschreibung des Korallenriffs hier gekürzt wiedergegeben.

Zitiert aus "Fauna der Stylophorabüsche“

Noch ist ein Geschäft übrig, eines der lohnendsten aller Arbeiten auf der Klippe: das Ablösen und Zerschlagen der Griffelkoralle (Stylophara). Die Räume zwischen den Aesten und Zweigen haben sich Meeresgeschöpfe aller Art, besonders aber kleine Krebse und Krabben zum Wohnsitz auserwählt. Außer vielen der Arten, die wir an den Brunnensteinen sitzen sahen (Gonodactylus, Alpheus, Actaea, Zozymus, Chlorodius, ferner Columbella, Cerithium, kleinen Conus, Ascidium, Schwämmen), lebt hier eine eigenthümliche charakteristische Fauna, die man sonst nirgends wieder findet; sie besteht hauptsächlich aus gewissen Arten der kleinen Trapezkrabben (Trapezia), die sich mit ihren Krallen an den rauhen Aesten sehr festzuhalten wissen oder so geschickt daran herumklettern, dass man ihrer nur durch Zerschlagen der Koralle habhaft werden kann. Eine kleine Purpurschnecke (Purpura madreporarum) hat sich eine Schwiele gemacht und sitzt darauf fest angesaugt.
Beim Zerschlagen der Korallenäste zeigt sich in der kalkigen Centralmasse sehr vieler, ja der meisten eine platte Höhlung, welche eine Dattelmuschel (Lithodomus) so ausfüllt, dass diese nur einen ganz geringen Spielraum hat. Nur eine verhältnismässig kleine Oeffnung fährt von außen zu dieser Pagode.

Übergangs- oder Vorkorallbezirk
Wir machen einen kleinen Schritt weiter einwärts auf der Klippe und treten in einen Bezirk, der sich zur Stylophorazone verhält wie die Seegraszone zur Uferzone, d.h. es ist ein Uebergangsbezirk. Das äußere Aussehen ist wesentlich noch dasselbe, nur ist diese Gegend fast immer von Meere bedeckt und nur bei den starken Ebben des Nachsommers gangbar. Das Wasser ist bewegter, und wird zur frischen Quelle eines regen Korallenlebens, die Wellen der Brandung stoßen noch an, aber ihre Kraft ist bereits am Klippenrand gebrochen. Die Griffelkoralle ist noch immer vorherrschend und gedeiht noch besser, als weiter außen.
Die anderen Korallformen bilden meist Überzüge, Kugeln und Knollen, weiche friesartig den Rand der immer tiefer werdenden Brunnen schmücken, auf deren Boden auftreiben, auch der oberen Riffläche hin und wieder entsprossen. Hierher gehören viele Sternkorallen (Heliastraea, Solenastreae, Leptastreae), Maschenkorallen (Porites), Wabenkorallen (Favia), Hirnkorallen (Maeandrinen), manche Punktkorallen (Millepora), die bekannte Orgelkoralle (Tubipora) mit den purpurrothen Steinröhren. Die übrige Fauna dieses Bezirkes charakterisiert sich in Vermischung der Fauna der vorigen mit der folgenden Zone.

Der Korallenabhang
Dieser Abhang ist, wie die Terrasse eines Gewächshauses, mit den bunten vielgestaltigen Thiergewächsen, welche man Korallen nennt, über und über bedeckt, oder richtiger, er besteht nur aus solchen oder deren Resten, abgestorbenen verkahlten Blöcken, auf welchen sich neue Geschlechter aufzubauen beginnen und um sie schwärmt und weidet das durch Farbenpracht und seltsame Formen ausgewählte Heer der Korallfische. All das ist umgossen von den Zaubermantel der durchsichtigen Salzfluth, welche durch eigenthümliche Strahlenbrechungen die entfernten Gestalten hebt, vergrößert und ihnen täuschende Farben aufträgt, so dass man sie oft, aus dem Wasser gesetzt, kaum wiedererkennt. Man fühlt sich wie durch eine geheimnisvolle Kraft zu diesen so nah erscheinenden und doch durch das fremde Element so unerreichbar fernen Gegenständen hinabgezogen und man starrt, versenkt in namenlose Gefühle und dunkle Ahnungen von feenhaften Wesen, die in den paradiesischen Meeresgärten sich wiegen, träumerisch in die Tiefe.
Durch Mannigfaltigkeit der Arten und Formen, die Zahl der einzelnen Kolonien zeichnet sich in diesem Abhangsbezirk vor allem die grosse Gattung der Kronenkoralle (Madrepora) aus. Die Farbe der Stöcke und Thiere zieht sich meist vom Dunkelbraunen ins Gelbliche und Grünliche; die Spitzen der Aeste stechen gewöhnlich durch eine lichtere Färbung hervor, die bisweilsen ins Bläuliche und Rosenrothe übergeht.
Die Stöcke oder Kolonien sind bald rasenförmig, wie ein Grasbüschel, indem wenig verästelte verhältnismässig niedere Stämme, von einer flachen Grundlage auf- und zum Theil auswärtsstrahlen, oder blatt-, netz- und rasenförmig mit gerundeter oder gyröser Peripherie, indem sich die Aeste und Zweige zu einer vielfach durchbrochenen Fläche vereinen, und endlich höher aufstrebend, busch- und baumartig gestaltet. Von diesen drei Grundformen findet sich die erste vorzugsweise auf der Höhe des Riffes, die Arten der zweiten breiten sich oft auf weite Strecken hin auf dem Abfall aus und bilden tafelartige Vorsprünge, die dritte Form gehört hauptsächlich der Tiefe an. In ähnlicher Weise, wie die letzteren, treten die distelartigen Gesträucher der Reihenkoralle (Seriatopora) mit zarten vielfach durch einander geschlungenen Stengeln auf. Die Quader des Klippengebäudes liefern die Massenformen, vor allen die zu ungeheueren bläulichen, braunen oder schwarzen Kugeln, Knollen und Säulen geballten Maschenkorallen (Porites), die in gerundeten Wellen die Klippen-Vorsprünge besäumenden Hirn- oder Mäanderkora1len (Leptoria, Coeloria) mit grünschimmerndem Polypenfleisch.
Felsbildend ist ferner die grosse Zunft der Sternkorallen (Asträen), welche convexe Ausbreitungen oder auch Kugeln und Knollen bilden. Die Sterne oder Oeffnungen der Einzelthiere haben je nach der Art bestimmter Grösse; von den großen Acanthastraea und Prionastraea, bis zu den zierlichen Goniastraea und eigentlichen Astraea.
Die durch ihr empfindliches Nesseln gefürchtete, von den Eingeborenen "Feuerkoralle" genannte, Punktkoralle (Millepora), welche von Manchen in das Reich der Quallenpolypen versetzt wird, steigt bald in Form aufrechter dicker, oder abgestutzter Tafeln und Wände empor, oder sie zieht sich in allerlei Gestalten incrustirend über Wurmröhren, Muschelschalen u. dgl. herüber, oder sie formt sich, freiliegend, zu vielknotigen Knollen. Einige endlich erheben sich in dünnen, netzförmigen Platten, die leicht zerspringen und oben in noch zerbrechlichere zarte Endästchen auslaufen. Eine der schönsten und ihrer meist pfirsichrothen Farbe wegen sofort auffalende Koralle ist die Bechersternkoralle (Pocillopora), welche mehr an dem oberen Theil des Abhangs meist einzeln in Rasen, doch auch bankweise sprosst.
Jene Farbe gehört dem Stockgestein an, und zwar nur dessen Enden, wie die oben genannte blaue bei den Madreporen, der untere Theil und die Thiere sind braun. Auch die Griffelkoralle ist im oberen Theil des Abhangs, neben der Pocillopora, noch immer wohl vertreten, und wechselt vom Dunkelbraunen ins Rosarothe. Außerdem giebt es noch eine Menge Korallformen, die aber ihrer Kleinheit oder Spärlichkeit wegen für die Klippenbildung einen untergeordneten Werth haben, so die bald tiefschwarz, bald schwarzgrün erscheinenden Bäumchen der Coenopsammia, die nur in der frühesten Jugend angewachsenen, später frei am Boden liegenden Pilzkorallen (Fungia), welche bald einen flachen runden Leib bilden (Fungia patella), bald sich zu einer langgestreckten Ellipse mit einer Längsfurche verziehen und dann einer in die Tiefe versenkten versteinerten Semmel täuschend ähnlich sehen (Fungia Ehrenbergii, Herpetholitha). Der Anblick der rosig strahlenden ziemlich seltenen Galaxea wird dem Finder immer Freude und Überraschung bereiten. In großer Tiefe wächst die bekannte schwarze Koralle (Antipathes), eine sechsstrahlige Rindenkoralle." - (Ende des Zitats)

Quelle:

Universität Stuttgart: Zum Gedenken an Carl Benjamin Klunzinger (1834-1914) von Ulrich Kull (aus Eilat und das Riff 1980)

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Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi


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