Das Forum für Freunde der Meere und Freunde der Natur

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Dieses Forum hat gewissermaßen historische Wurzeln: Es diente bereits ab 2003 als Informationsplattform des Vereins forum natur & zukunft (fnz), einer der Vorgängerorganisationen von MareMundi, die es heute in der alten Form nicht mehr gibt. Ebenso war es die Plattform des Red Sea Environmental Center (RSEC), einer im Jahr 2003 gegründeten privaten Institution für Wissenschaft, Ausbildung und Umweltschutz am Roten Meer (Dahab, Sinai). "Ob groß (Wal) oder klein (Bakterium), ob Pflanze oder Tier, ob Forschung, Naturschutz, Tauchen oder Berichte über spannende Naturreisen, in diesem Forum können Sie nicht nur viel Interessantes über Natur & Naturschutz und die Meere erfahren, sondern auch Ihre Fragen dazu von Experten beantwortet bekommen“, hieß es damals in der Begrüßung des Forums. Seit vielen Jahren sind die Aktivitäten dieser Forschungs- und Naturschutzinstitutionen unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins MareMundi vereint: MareMundi - Verein zur Förderung der Meereswissenschaften (ZVR 051890525, mare-mundi.eu). Die Meeresschutzorganisation betreibt unter dem Namen Schule am Meer eine Feldstation für Meeresbiologie, Meeresschutz und Ausbildung auf der kroatischen Insel Krk. MareMundi verfolgt drei große Ziele: Schutz ökologisch wertvoller Lebensräume, allgemein zugängliche Bildung in Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit sowie Forschung (Problemanalysen und Lösungsansätze). Wir haben es selbst in der Hand. Nur zusammen können wir die Zukunft gestalten. Und so laden wir Sie ein: Denken Sie mit, diskutieren Sie mit, werden Sie Teil der Problemlösung!
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BeitragVerfasst: 29 Jan 2008 17:11 
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RSEC El Quseir: Beduinen: Ababda, die Menschen der Wüste

Die Beduinen der Region El Quseir

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www.redsea-ec.org

G E M E I N S A M - F Ü R - M E H R - N A C H H A L T I G K E I T - A M - R O T E N - M E E R

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:arrow: alle Fotos der Ababden: © Zbigniew Kosc http://www.zbigniewkosc.nl/
An der afrikanisch-ägyptischen Rotmeerküste zwischen dem Nil und dem Roten Meer findet man drei unterschiedliche Beduinenstämme: die Ma’aza, die Ababda und die Bishari. In der Region um El Quseir leben die Ababda oder Ababde. Sie sind mit den Bishari verwandt. Neben Oberägypten kommen sie auch in Nubien vor.

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© Dr. Robert Hofrichter, RSEC Dahab & El Quseir, www.redsea-ec.org, www.mare-mundi.eu. Dies ist Teil eines RSEC-Skriptums, die Unterlagen sind urheberrechtlich geschützt, ihre unerlaubte Verwendung ist untersagt.


Bild Foto © Zbigniew Kosc. Eines Mannes Wohlstand: Bei den Ababda ist es die Aufgabe des Mannes mit der Welt außerhalb des Stammesterritoriums in Beziehung zu treten. Früher handelten die Nomaden mit Wüstenprodukten wie Holzkohle und Heilkräutern. Das Kamel diente als Beförderungsmittel war aber zugleich der ganze Stolz des Mannes. Man gab sich große Mühe die Tiere mit bunten Decken, gewebten Satteltaschen, Lederquasten und leuchtend gefärbten Bändern zu schmücken. In der heutigen Zeit fanden viele Beduinen Jobs als Fahrer und Arbeiter. Das Kamel wird langsam vom Toyota-Pick up oder sonst einem Truck ersetzt, der auch mit Quasten und Perlen geschmückt wird.

Die meisten Besucher Ägyptens unterscheiden bei ihrem ersten Besuch kaum zwischen Ägyptern und Beduinen, wobei nicht die Staatsbürgerschaft, sondern die ethnische Zugehörigkeit gemeint ist. Der noch wenig erfahrene Tourist meint, dass all diese Menschen einfach "Araber" sind. Das sind sie auch im Prinzip, dennoch gibt es Jahrtausende alte Unterschiede zwischen "Städtern" (also "Ägyptern" im Sinn dieser Abhandlung) und "Beduinen". Die „Araber“ bewohnten und bewohnen immer noch ein riesiges Gebiet und waren nie eine gänzlich homogene Ethnie. Neben dem ethnischen und früher auch starken sprachlichen Gegensatz zwischen Nord- und Südarabien hat sich sehr bald vor allem die kulturgeographisch-soziologische Unterscheidung in die Städter und Fellachen, die u. a. sesshafte Bauern waren, und die Beduinen - die nomadischen Hirtenstämme, herausgebildet. Beduine - arabisch „Wüstenbewohner“ - sind und waren immer schon Nomaden.

Die Beduinen der El Quseir-Region gehören zum Stamm der Ababden (Ababda).

Die nomadischen Beduinen leben als Kamel-, Ziegen- und Schafzüchter in hierarchisch gegliederten Stammesverbänden unter Führung eines Scheichs in Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern, am Sinai, in Israel und Palästina, in Arabien und in Syrien.

Bild Historische Aufnahme von Beduinen.

Bild Foto © Zbigniew Kosc. Ein kleines Museum in der Festung von El Quseir informiert über die Beduinen dieser Region, die Ababda.

Bild Beduinische Mutter mit Kind.

:arrow: Die Ethnien / Menschen Ägyptens
http://www.britannica.com/eb/article-43466#43466.toc
:arrow: Ababde (viele schöne Fotos) http://puck.wolmail.nl/~kosc/Ababda%20f ... babda.html
:arrow: Musik der Ababden
http://puck.wolmail.nl/~kosc/Ababda%20f ... bda10.html
http://home.tiscali.nl/%7ekosc/Ababda%2 ... %2000.html

Bild Foto © Zbigniew Kosc.

Bild Foto © Zbigniew Kosc. Die Moderne hält Einzug in die Behausungen der Beduinen. Heute leben in der Ostwüste drei Nomadenstämme, von den die Ababada "in der Mitte" leben. Die kriegerischen Maaza stammen aus Saudiarabien. Sie kamen im 17. Jh. nach Ägypten in das Gebiet der Ababda und drängten letztere nach Süden ab, in ihre heutigen Gebiete.

Bild Verbreitung der drei Beduinenstämme der Östlichen Wüste Ägyptens (östlich des Nils).

Bild Foto © Zbigniew Kosc. Ababden in der Wüste.

Bild Foto © Zbigniew Kosc. Ababden-Frauen mit Kind.

Die Ababde oder Ababda sind ein Unterstamm der Bedscha und leben in Oberägypten an der Grenze zu Sudan (u. a. im Gebel-Elba-Nationalpark) und in Nubien im Nord-Sudan als Nomaden. Sie fühlen sich den Bischarin am nächsten verwandt. Ihre Sprache ist die Bedscha-Sprache (Bedawi), daneben verwenden sie auch die arabische Sprache. Ein traditionelles und oft verwendetes Musikistrument der Ababde ist die fünfsaitige tamboura. Die Ababdi sind meist von dunkler Hautfarbe und haben schwarzes, aber meistens nicht krauses, sondern eher gelocktes Haar. Die Zahl der Ababde wurde um 1888 auf etwa 40.000 Personen geschätzt. Aktuelle Zahlen sind keine bekannt.

Über Beduine allgemein
Beduine („nicht sesshaft“, „nomadisch“) bezeichnet einen nomadischen Wüstenbewohner, z. B. der arabischen Wüsten, der Sahara, des Sinai und des israelischen Negev. Sie sind Araber und folgen dem Islam. Sie betrachten Ismael als ihren Stammvater.

Bild Foto © Zbigniew Kosc.

Nach Afrika gelangten arabische Beduinen nachweislich bereits während des ersten vorchristlichen Jahrhunderts: 46 v. chr. erbeuteten die Römer von Beduinen in Nordtunesien 22 Dromedare. Rund 400 Jahre später bildeten berittene Kamelnomaden eine ständige, ernstzunehmende Bedrohung für die römischen Afrika-Provinzen.

Bild Foto © Zbigniew Kosc.

Beduinen leben hauptsächlich von der Viehzucht. Unter anderem züchten sie Dromedare, Schafe und Ziegen, für die sie in der Wüste und vor allem in den Randzonen der Wüsten Weideplätze suchen. In der Moderne wird die Lebensart der Beduinen zunehmend bedroht, insbesondere durch feste Grenzziehungen, staatliche Programme zur Ansiedlung und die zunehmende Wasserknappheit. Die Arabisch sprechenden Beduinen sind nicht mit dem berbersprachigen Volk der Tuareg in Nordafrika zu verwechseln. Auch die Bedscha sind traditionell Beduinen.
Bei den meisten Beduinen ist bis heute die Heirat mit der bint ʿamm sehr verbreitet.

Bild Foto © Zbigniew Kosc.

bint ʿamm
Die bint ʿamm (arabisch بنت عم‎, „Tochter des Vaterbruders“) ist die klassifikatorische patrilaterale Parallelkusine, die eine besondere Rolle im traditionellen Heiratsverhalten semitischer und muslimischer Bevölkerungen spielt, da sie als die ideale Braut gilt.
Die bint ʿamm ist entweder die Tochter des Bruders des Vaters eines Mannes, oder die Tochter eines anderen männlichen Verwandten dieses Mannes, dessen Verwandtschaft nur über männliche Verwandte läuft, d.h. in der Praxis die Tochter eines Mannes aus der gleichen Großfamilie (hamula) wie der Bräutigam, die jedoch nicht dessen Schwester ist.
Bereits zur Zeit der biblischen Patriarchen galt die bint ʿamm als die ideale Braut. Der biblische Isaak heiratete Rebekka ebenso wie Jakob Lea und Rachel jeweils die bint ʿamm.

Bild Foto © Zbigniew Kosc.

Dieser Brauch setzt sich bis in die Gegenwart besonders bei Beduinen, aber auch insgesamt bei arabischsprachigen und/oder muslimischen Bevölkerungen, etwa den Kurden oder türkischen Yörüken, fort. In manchen Gegenden, die diesen Brauch kennen, wird der größte Teil der möglichen Eheschließungen mit der bint amm auch tatsächlich geschlossen.
Da die bint amm zur Familie des Bräutigams gehört, ist kein Brautpreis, der ja an die Familie der Braut fallen würde, zu zahlen. Außerdem wird als Vorteil gesehen, dass mit der Familie der Braut, die ja die eigene ist, keine Probleme zwischen den zwei verschwägerten Familien auftreten können.

Bild Foto © Zbigniew Kosc. Der Ursprung der Ababda und der Bishari ist unklar. Ihre materielle Kultur ist sehr ähnlich doch sprechen die Ababda-Beduinen Arabisch während die Bishari ihre eigene Sprache haben. Die Beziehungen zwischen den Maaza und den Ababda waren niemals gut. Die Bishari sind bis heute ein kriegerischer Nomadenstamm, der auf Kamelen durch die Wüste zieht, angetan mit Schwert und Schild.

Gute Quellen:
:arrow: Enzyklopädie des Orients
http://i-cias.com/e.o/index.htm
http://www.dur.ac.uk/justin.willis/starkey.htm
:arrow: Sehr gute Abhandlung über Beduinen
http://www.oneworldmagazine.org/focus/d ... ttmai1.htm
:arrow: Beduinen in der Encyclopaedia Britannica
http://www.britannica.com/eb/article-9014079
:arrow: Beduinisches Weben
http://www.beduinweaving.com/toc.htm
:arrow: Orientalischer Tanz
http://www.bdancer.com/history/BDhist1.html
:arrow: Über weibliche Beschneidung
http://www.religioustolerance.org/fem_cirm.htm
:arrow: Orientalische Kleidung
http://www.indiana.edu/%7elibrcsd/etext ... tents.html
:arrow: Sklaverei im Orient
http://www.fordham.edu/halsall/med/lewis1.html

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Zuletzt geändert von Dr. Robert Hofrichter am 07 Okt 2009 08:25, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 30 Jan 2008 08:53 
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Jetzt, da ich mich mit diesem Text und seinen links beschäftigt habe ... ziehmlich sprachlos bin ... weiß ich noch sicherer, daß ich nach Quseir gehen und noch mehr davon hören, sehen und darüber wissen will!

Unter anderem wars sehr interessant näheres über die bint`amm zu erfahren. Da eine Freundin eine ist mir aber den Hintergrund nie erklären konnte.

Danke, Claudia

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BeitragVerfasst: 30 Jan 2008 12:26 
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:) Genau um das geht es uns auch bei unseren Reisen und Exkursionen: Unsere Gäste sollen etwas erleben und lernen, was sie bisher noch nicht gewusst, nicht erlebt und nicht erfahren haben ... :)

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BeitragVerfasst: 30 Jan 2008 14:12 
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Wie Claudia schon gesagt hat, bin ich ebenfalls sprachlos.
Einfach traumhaft schön, freue mich sehr dass alles kennen und lieben zu lernen...


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BeitragVerfasst: 02 Feb 2008 12:22 
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Hab mir gleich für meine allgemeine Bildung ein arabisches Wort beibringen lassen ;), عدد النتائج (ich glaub, das ist der falsche Schriftzug, aber ich weiß nicht so genau, wie man arabische Zeichen im Internet findet) shukran Robert für die schönen Beiträge :)!

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Gibt es denn jemanden, der nichts merkt, nichts von dem wundersamen Geheimnis ahnt, das über diesem Meer liegt, dessen sanfte Wogen von einem unter ihnen verborgenen Wunder zu erzählen scheinen? (Melville)


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