Ende des Walfangverbotes?
Droht eine kommerzielle Bejagung der Wale? Wie ist der Sachstand. Bald tagt die Internationale Walfangkommission.

Gestern informierte Nicolas Entrup von der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) in München über die Situation bezüglich Walfang und Walschutz. Mit dem Titel "Sind die Wale noch zu retten?" gab der Leiter der deutschen WDCS einen umfangreichen Einblick sowohl über die Historie des Walfangs als auch über die gegenwärtige Situation. Das Thema ist sehr aktuell, denn vom 21. bis 25. Juni wird bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission in Marokko über das Schicksal der Wale entschieden und hier kann eine Fehlentscheidung zur Ausrottung vieler Arten, oder doch zumindest einzelner lokaler Populationen führen.
Damit auch alle der zahlreichen erschienen Zuhörer wussten, über welche Tiere geredet wird, stellte Nicolas Entrup zunächst zwei Walarten vor, den Pottwal und den Zwergwal. Pottwale wurden bis an den Rand der Ausrottung bejagt, die Bestände konnten sich aber seit dem Walfangverbot wieder ein wenig erholen können. Zwergwale sind die kleinsten der kommerziell gejagten Wale und sind nach der radikalen Dezimierung der Bestände lukrativerer Walarten (Finnwal, Blauwal, Buckelwal etc.) seit einigen Jahren aufgrund ihrer Verfügbarkeit die Beute der Walfänger.
Gegründet wurde die Walfangkommission seinerzeit von Walfangländern, um Lösungen dafür zu finden, wie man Wale auch weiterhin jagen kann, ohne dass man die Grundlage dafür vernichtet. Nachhaltige Nutzungsplanung sozusagen. Nötig war diese Maßnahme, weil diverse Walarten fast ausgerottet waren und die Walfangfahrten immer öfter ineffizient blieben.
Dies führte 1986 schließlich zu einem sogenannten Moratorium, einem kompletten Verbot des kommerziellen Walfangs.
Ausnahmen gab es für indigen Walfang aus kulturellen Gründen oder zur Eigenversorgung einzelner Inuitstämme.
Die zweite Ausnahme stellt der Walfang aus wissenschaftlichen Gründen dar, was Japan dazu bewegt hat, tausende von Walen unter diesem Vorwand abzuschlachten und das Fleisch zum Verzehr auf den Markt zu bringen. Die anderen Länder, die ebenfalls noch Walfang betreiben sind Norwegen und Island.
Da jedoch kommerzieller Walfang untersagt ist, gibt es ein Handelsverbot für Walprodukte. Dies führt dazu, dass Norwegen und Island auf ihrem Walfleisch sitzen bleiben und es in großen Kühlhallen einlagern, denn sie jagen weit über den Bedarf ihrer eigenen Bevölkerung hinaus.
Auf den Tagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC = International Whaling Commission) wird neben der Sammlung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, die durchaus den Walen zugute kommt, immer über Zahlen diskutiert. "Erbsen zählen", nennt das Nicolas Entrup. Zu den ohnehin unsicheren Bestandszahlen, denn Wale lassen sich aus der Natur der Dinge heraus sehr schlecht zählen, finden zwei Tatsachen überhaupt keine Berücksichtigung:
- viele Walarten wandern, und zwar zum Teil um den halben Globus
- es gibt ortstreue Populationen, die zwar einer Art zugeordnet werden, jedoch genetisch einzigartig sind
Jede Art von Zählung ist unter diesen zwei relevanten Aspekten im Grunde hinfällig, da zuverlässige Rückschlüsse auf die tatsächliche Gefährdung durch Walfang nicht mehr möglich sind.
Es gibt nun Pläne, den 3 der insgesamt 88 Mitgliedsstaaten der IWC insoweit entgegenzukommen, dass das kommerzielle Töten der Wale unter gewissen Auflagen für 10 Jahre erlaubt werden soll. Die genehmigten Abschusszahlen für Japan liegen zwar leicht unter der Anzahl, die Japan momentan offiziell tötet, die Quoten für Island und Norwegen sind jedoch weit höher als das, was sich diese Länder momentan selber "erlauben". Zudem würde der Abschuss von einigen Exemplaren einer Walart erlaubt, die als stark bedroht eingestuft ist.
Das größte Problem dieses angestrebten Kompromisse ist aber sicherlich die damit verbundene Aufhebung des Handelsverbotes. Damit wird dem Walfang und dem Handel mit Walprodukten Tür und Tor geöffnet und Walfang wieder legitimiert.
Die Folgen wären fatal!

Zum ersten Mal in der Geschichte haben sich nun sämtliche deutschen Naturschutzorganisationen zusammengetan und die Regierung gebeten, sich diesem Vorschlag zu widersetzen. Offenbar gab es innerhalb der Ausschüsse im Vorfeld massive Fehlinformationen und so wurde der Kompromiss fachunkundigen Politikern als Verbesserung des Artenschutzes verkauft. Tatsächlich wäre es jedoch ein fataler Schritt in die falsche Richtung.
Nicolas Entrup entschuldigte sich für das umfangreiche Daten- und Zahlenmaterial und verwies mehrfach darauf, dass es bei diesen faszinierenden, hoch entwickelten, sozialen und dem Menschen in Vielerlei ähnlichen Meeressäugern nicht um Erbsenzählerei gehen dürfe sondern vielmehr darum, die Wale zu schützen, weil sie schützenwert seien, unabhängig davon, wo wieviele Wale noch herumschwimmen.
Der große Applaus im Anschluss des Vortrages zeigte die Zustimmung des Publikums.
Deshalb:
Kein Ende des Moratoriums!
Die Wale müssen auch weiterhin geschützt werden damit sie auch den kommenden Generationen erhalten bleiben.
"Wale sind das Gedächtnis der Welt und die Hüter der Zeit.”,
heißt es am Ende des Films "Das Geheimnis der Wale" (Universum Film, 2009).
Wer wäre so vermessen zu behaupten, dass eine Ausrottung dieser Tiere keine signifikanten Auswirkungen auf die Erde hätte ...
Ausführliche Informationen unter:
http://www.wdcs-de.org/Offizielle Internetseite der IWC:
http://iwcoffice.org/