Das Forum für Freunde der Meere und Freunde der Natur

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Dieses Forum hat gewissermaßen historische Wurzeln: Es diente bereits ab 2003 als Informationsplattform des Vereins forum natur & zukunft (fnz), einer der Vorgängerorganisationen von MareMundi, die es heute in der alten Form nicht mehr gibt. Ebenso war es die Plattform des Red Sea Environmental Center (RSEC), einer im Jahr 2003 gegründeten privaten Institution für Wissenschaft, Ausbildung und Umweltschutz am Roten Meer (Dahab, Sinai). "Ob groß (Wal) oder klein (Bakterium), ob Pflanze oder Tier, ob Forschung, Naturschutz, Tauchen oder Berichte über spannende Naturreisen, in diesem Forum können Sie nicht nur viel Interessantes über Natur & Naturschutz und die Meere erfahren, sondern auch Ihre Fragen dazu von Experten beantwortet bekommen“, hieß es damals in der Begrüßung des Forums. Seit vielen Jahren sind die Aktivitäten dieser Forschungs- und Naturschutzinstitutionen unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins MareMundi vereint: MareMundi - Verein zur Förderung der Meereswissenschaften (ZVR 051890525, mare-mundi.eu). Die Meeresschutzorganisation betreibt unter dem Namen Schule am Meer eine Feldstation für Meeresbiologie, Meeresschutz und Ausbildung auf der kroatischen Insel Krk. MareMundi verfolgt drei große Ziele: Schutz ökologisch wertvoller Lebensräume, allgemein zugängliche Bildung in Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit sowie Forschung (Problemanalysen und Lösungsansätze). Wir haben es selbst in der Hand. Nur zusammen können wir die Zukunft gestalten. Und so laden wir Sie ein: Denken Sie mit, diskutieren Sie mit, werden Sie Teil der Problemlösung!
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BeitragVerfasst: 16 Jul 2009 12:21 
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Da mir jetzt auch nur noch ein Monat bleibt, ehe ich nach El Quseir aufbreche, wollte ich euch hier mal mein vorläufiges Konzept für meine Diplomarbeit zeigen. Es ist zwar insgesamt recht lang, aber wenn jemand auch nur zu einem Teil was sagen möchte oder noch eine schöne Idee hat, dann ruhig her damit. Die Arbeit ist bisher, jedenfalls nach meinem Ermessen, recht umfangreich und ob alle Versuche realisiert werden können, weiß ich noch nicht, nur dass sich niemand über die Menge wundert... ;-)

Konzept zur Diplomarbeit: Bestimmung und Einfluss von Algenfressern auf das Algenwachstum auf dem Riffdach in der Al-Quadim-Bucht (Rotes Meer, Ägypten)

von "fidelfisch"
aktualisiert am 16. Juli 2009

Zusammenfassung
In der Fischerei-freien Al-Quadim-Bucht bei El Quseir am Roten Meer in Ägypten soll der Effekt von herbivoren Fischen auf das Algenwachstum auf dem Riffdach gemessen, sowie die beteiligten Arten bestimmt werden. Aus den so gewonnen Daten können evtl. auftretende Schlüsselarten (Key-Species) bzw. funktionell-wichtige Gruppen der Herbivoren ermittelt werden, um daraus Empfehlungen für ein nachhaltiges Fischereimanagment zu erstellen, und den Riffschutz zu stärken.
Die Bestimmung des Algenbewuchses erfolgt mithilfe von Käfig-Ausschlussexperimenten, sie dient dazu, die Komplexität der Herbivorie im Riff darzustellen und Aufschluss darüber zu erlangen, welche Algenarten durch den simulierten verhinderten Fraß besonders profitieren. Dabei soll versucht werden, eventuell auftretende Warnsignale, wie das Fehlen von Herbivoren bzw. das verstärkte Auftreten bestimmter Algenarten, zu beschreiben, damit zukünftig frühzeitige Gegenmaßnahmen gegenüber einem bevorstehenden Riffschädigung ergriffen werden können.


Einleitung
Korallenriffe gehören zu den biologisch diversesten und ökonomisch wichtigsten Ökosystemen der Erde. Jedoch werden sie weltweit durch eine Kombination von Gefahren bedroht und degradiert.
Neben Verschmutzung, Klimaerwärmung, Krankheiten und der destruktiven Fischerei, ist die Überfischung eine der größten Gefahren für Korallenriffe (Bellwood et al. 2004, Harvell et al. 2002, Hoeg-Guldberg 1999, Hughes et al. 2003, Wilkinson 2004).

Neben einem Rückgang der Riffe werden so genannte „phase shifts“ (Kippschaltereffekte) bewirkt, wobei es auf ehemals von Korallen dominierten Riffen zu einer Dominanz von Makroalgen kommt (Done 1992, Knowlton 1992, McManus and Polsenberg 2004).
Gründe dafür liegen zum einen im Verlust von großen herbivoren Fischen (target-spezies), in der erhöhten Konzentration von Nährstoffen (besonders Phosphor), als auch im Verlust der Hartkorallenbedeckung (bleaching).

Solche „phase shifts“ haben große ökologische und ökonomische Auswirkungen, so gibt es nicht nur weniger Oberflächen für Korallen und deren Besiedlung, sondern auch einen reduzierten Lebensraum für Fische und andere Korallenriff bewohnende Organismen. Was neben der eingeschränkten Biodiversität auch zu verminderter touristischer Attraktivität niedrigeren Fangerträgen der lokalen Fischerei führen kann (Hughes 1994, Gardner et al. 2003). Eine Umkehr solcher „phase shifts“, sind extrem selten und ist nur durch zeitaufwendige, kostspielige Aufwendungen möglich, die die Kosten eines rechtzeitigen, sinnvollen Managements der Ressourcen um ein vielfaches übersteigen (Brown 1994, Done 1992, Gardner et al. 2003, Hughes 1994, Idjadi 2006).

Um solche Szenarien zu vermeiden und die Ressourcen der Riffe für zukünftige Generationen zu erhalten, bedarf es einem geeigneten, kontrolliertem Management der Fischerei. Dieses kann aber nur sinnvoll entwickelt werden, wenn durch intensive Forschung die ökologischen Zusammenhänge und Abhängigkeiten genau bekannt und verstanden sind (Bellwood et al. 2004). Sodass auf Basis dieser Erkenntnisse entsprechende Fangempfehlungen für den Fischfang formulierbar werden und eventuell auftretende Warnzeichen für einen bevorstehenden „phase shift“ richtig zu deuten sind.


Untersuchungsgebiet
Alle Studien werden in der Al-Quadim-Bucht bei El Quseir (القصير) (Rotes Meer, Ägypten) an der Feldstation des RSEC (Red Sea Environmental Center, http://www.redsea-ec.org) durchgeführt. Die Bucht befindet sich in der Nähe der Stadt El Quseir, die ca. 150 km südlich von Hurghada und ca. 100 km nördlich von Marsa Alam liegt. Bei dem Riff handelt es sich um ein Saumriff, welches sich direkt vom Ufer erstreckt und damit auch ein einfacher Zugang zu Probestellen gesichert ist. Die genauen Standorten der Experimente müssen noch bestimmt werden, dabei soll natürlich darauf geachtet werden, dass sie in vergleichbaren Umgebungen stattfinden und das Riff so wenig wie möglich geschädigt wird. Abbildung 1 zeigt eine schematische Darstellung des Untersuchungsgebietes.

Bild
Abbildung 1: zeigt eine schematische Skizze für den Versuchsaufbau aus der Vogelperspektive. Wobei die großen Quadrate die Käfige darstellen und die kleinen die Kacheln, die für die Messung des Algenwachstums verwendet werden. Die fetten, durchgezogenen Linien zeigen einen komplett geschlossenen Käfig, die gepunktete Linien einen oben-offenen Käfig und eine fehlende Linie zeigen die Kontrollen ohne Käfig. Die Buchstaben A-C stehen für die einzelnen Versuchsstandorte.

Material und Methoden
Hauptfokus der Arbeit liegt zum einen auf der Bestimmung der herbivoren Fischarten, welches per Scuba-Diving und Schnorcheln erfolgen soll und durch Foto- und Videoaufnahmen unterstützt werden kann. Zum anderen wird mithilfe von Käfig-Experimenten untersucht, ob und was für einen Einfluss die Grazer auf den Bewuchs des Riffs haben. Durch das Anbringen von Besiedlungsplatten in Form von Kacheln und toten Korallenbruchstücken kann der Bewuchs von Algen und Korallen-Nachwuchs ohne invasive Methoden beobachtet und ausgewertet werden. Pro Untersuchungsstelle werden 3 Käfig-Konfigurationen über einigen Besiedlungsplatten installiert: 1.) ein geschlossener Käfig, der mit einer Maschenweite von 2,5 cm die potentiellen Herbivoren (Breite größer als 2,5 cm) von den Platten fernhält. 2.) Ein an zwei-Seiten-offener Käfig, der als Kontrolle für Schattenwurf und Reduktion der Wasserströmung dient und 3.) kein Käfig als Kontrolle (siehe Abbildung 1).
Die Gesamtzahl der Versuchsstandorte muss vor Ort ermittelt werden und hängt von der Verfügbarkeit geeigneter Standorte ab. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Anzahl für eine statistische Analyse ausreichend ist.

Substrat-Beschaffenheit
Um die Ergebnisse der Käfigversuche vergleichen zu können, wird der generelle Bewuchs des Substrates aufgenommen. Dazu wird ca. ein Dutzend 50x50cm große Quadrate aus Metall mit einem Gitter aus Leinen von 5x5 Feldern, zufällig auf das Substrat gelegt und der prozentuale Anteil des Bewuchses (1 Feld = 4%) notiert. Die Zufälligkeit wird mithilfe einer Zufallszahl-Tabelle und deren Anwendung auf Kompassausrichtung und Flossenschläge erreicht.
Auch hier soll versucht werden die Besiedlung in den gleichen Wassertiefen zu ermitteln.

Bild
Abbildung 2 zeigt eine vergleichbare Beobachtung.


Folgende Kategorisierung wird dabei verwendet:

Korallen
    verzweigt
    massiv
    pilzförmig
    Korallen-Nachkommen (coral recruits) <5cm.
Algen
    Turfalgen
    fleischige Algen
    krustierende coralline Rotalgen
    grüne Kalkalgen
    Makroalgen (>2cm: Lewis 1986, >1cm Carpenter 1986)
anderes Substrat
    Schwämme
    Fels
    loser (Korallen-)Schutt
    Sand
    Silt/Ton
    anderes






Beobachtungen der Herbivoren
    - entlang eines Transektes (20 m x 2,5 m = 100 m2), welches mithilfe einer Leine in vergleichbarer Tiefe gespannt wird.
    - eine Gewöhnungszeit von 1h wird abgewartet, nachdem die Leine verlegt wurde.
    - Um möglichst alle vorhanden Herbivoren zu registrieren, werden die Beobachtungen zu verschiedenen Tageszeiten wiederholt (morgens 6:00 - 8:00, mittags 11:00 - 13:00, abends 17:00 - 19:00
    - Bestimmung erfolgt soweit es möglich ist bis zur Art.
    - Literatur: Lieske & Myers (2009), Debelius (1999)


Käfige
Bei den Käfigen handelt es sich um Modelle aus Hühnerdraht von einer Größe von 50x50x30 cm und einer Maschenweite von 2,5 cm. um die großen Grazer auszuschließen, gleichzeitig aber einen Zugang für kleine Herbivore (wie Labridae, Blennidae) zuzulassen, um potentielle Artefakte zu verhindern, die durch das Auftreten von Mesograzern entstehen könnten (Lewis 1986). Außerdem sind diese kleinen Fische für den Fischfang ohne Bedeutung. Die Käfige werden alle paar Tage von Algen und anderen Ansiedlern (fouling-Organismen) mithilfe von einer Drahtbürste gereinigt, um für gleich bleibende Umgebungsverhältnisse zu sorgen. Die Käfige bleiben für die gesamte Versuchsdauer von 4,5 Monaten an ihrem Ort, nur die Fliesen werden in regelmäßigen Abständen entnommen, um den Bewuchs zu untersuchen (siehe den folgenden Punkt: Algenbestimmung und -biomasse).

Algenbestimmung und -biomasse
Um eine Aussage über die möglichen Einflüsse der Herbivoren zu treffen, wird alle 2 Wochen eine der Siedlungsplatten aus den Käfigen entnommen und die Algen mithilfe eines Spachtels abgekratzt. Das Feuchtgewicht, wird nach einer 1-minütigen Salatschleuder-Behandlung mit einer Feinwaage gemessen und anschließend werden die Arten unter einem Seziermikroskop bestimmt.
Literatur: Lieske & Myers (2009), Littler & Littler (2003), Braune (2008)


Literatur:

Bellwood DR, Hughes TP, Folke C, Nystrom M (2004) Confronting the coral
reef crisis. Nature 429: 827-833.

Braune W (2008) Meeresalgen: Ein Farbbildführer zu den verbreiteten benthischen Grün-, Braun- und Rotalgen der Weltmeere. 1st Edition, Gantner Verlag, Ruggell.

Brown BE, Le Tissier MDDD, Dunne RP, Scoffin TP (1994) Natural and anthropogenic disturbances on intertidal reefs of SE Phuket, Thailand 1979 - 1992. In: Ginsburg RN, ed. Proceedings of the Colloquium on Coral Reefs: Health, Hazards, and History. Miami: Rosenstiel and Atmospheric Science, University of Miami. pp 279-285.

Debelius H (2008) Riff-Führer Rotes Meer: Ägypten, Israel, Jordanien, Sudan, Saudi-Arabien, Jemen, Arabische Halbinsel. 5th Edition, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart.

Done TJ (1992) Phase shifts in coral reef communities and their ecological significance. Hydrobiologia 247:121-132

Gardner TA, Cote IM, Gill JA, Grant A, Watkinson AR (2003) Long-term region-wide declines in Caribbean corals. Science 301: 958-960.

Harvell CD, Mitchell CE, Ward JR, Altizer S, Dobson AP, Ostfeld RS and Samuel MD (2002). Climate warming and disease risks for terrestrial and marine biota. Science 296, 2158-2162.

Hoegh-Guldberg O (1999). Climate change, coral bleaching and the future of the world’s coral reefs. Mar. Freshw. Res. 50: 839-866.

Hughes TP (1994) Catastrophes, phase-shifts and large-scale degradation of a Caribbean coral reef. Science 265: 1547-1551.

Hughes TP, Baird AH, Bellwood DR, Card M, Connolly SR, et al. (2003). Climate change, human impacts, and the resilience of coral reefs. Science 301: 929-933.

Idjadi JA, Lee SC, Bruno JF, Precht WF, Allen-Requa L, et al. (2006) Rapid phase-shift reversal on a Jamaican coral reef. Coral Reefs 25: 209-211.

Knowlton N (1992). Thresholds and multiple stable states in coral reef community dynamics. American Zoologist 32:674-682

Lewis SM (1986). The role of herbivorous fishes in the organization of a Caribbean reef community. Ecological Monographs Vol. 56, No. 3, 184-200

Lieske E, Myers R (2009). Korallenriff-Führer Rotes Meer: Rotes Meer bis Golf von Aden, Südoman. 2nd Edition, Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart.

Littler DS & Littler MM (2003). South Pacific Reef Plants: A Divers' Guide to the Plant Life of South Pacific Coral Reefs. 1st Edition, Offshore Graphics Inc, Washington.

McManus JW & Polsenberg JF (2004). Coral-algal phase shifts on coral reefs: ecological and environmental aspects. Progress in Oceanography 60:263-279.

Wilkinson C, ed. (2004). Status of Coral Reefs of the World; Townsville, Australia: Australian Institute of Marine Science).

Bild Bild Bild Bild
www.redsea-ec.org

G E M E I N S A M - F Ü R - M E H R - N A C H H A L T I G K E I T - A M - R O T E N - M E E R


Zuletzt geändert von fidelfisch am 12 Aug 2009 14:01, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 16 Jul 2009 15:26 
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Wunderbar aufbereitet :) . Und viel Glück bei der Arbeit!

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Wer so gut vorbereitet ist braucht kein Glück! ;)
Ich wünsch dir lieber viel Erfolg und freue mich dich bei deiner Arbeit unterstützen zu können.


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BeitragVerfasst: 19 Jul 2009 10:44 
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danke für die Komplimente, aber so gut vorbereitet fühl ich mich noch nicht. Ich fürchte, dass da noch genug Probleme auf mich zukommen werden, vor Ort war ich ja auch noch nie und letztendlich wird wohl vieles anders kommen, als man denkt. Und gegen Glück habe ich nichts einzuwenden!

Trotzdem hatte ich auf mehr Kritik gehofft :)

Gibts hier im Forum eigentlich einen Statistik-Profi? Ich hab zwar einige Ideen, wie ich manche Sachen testen kann, aber eine kleine Rücksprache hat noch nie geschadet.


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BeitragVerfasst: 24 Jul 2009 17:54 
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Hallo Fidelfisch!

auch ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Studie.
Wie du schon sagtest es werden wohl erst in der Praxis einige Probleme auftauchen.

Ein Punkt z.B. wäre, das im Bereich der Bucht auch das Beschnorcheln des Riffdaches bei Flut nicht gestattet ist und die Wachmänner softort laut pfeifen und losstürmen um dich da wegzuholen. Daher sorgfältig und im Voraus mit den Verantwortlichen abklären. Es ist auch für Touristen die weggescheucht werden nicht einläuchtend, wenn ein anderer auf´s Riffdach darf.
Ein Vorschlag aber auch hier erst mal die "Rechte" erkunden: Eventuell etwas außerhalb der Bucht die Probeflächen planen. Ich bin je 2 mal die Strecke zwischen den benachbarten Hotels und Mövenpick an der Riffkannte abgeschnorchelt. Im Süden waren jeweils in der Mitte Fischer zu Fuß auf dem Rifdach anwesend - auch einmal einer mit Stellnetz! Für mich war es sehr informativ diese Strecken zu beobachten. So habe ich nicht den Eindruck gehabt, dass etwa die Doktorfische außerhalb der Bucht weniger sind. Allerdings habe ich manche Arten nur in der Bucht gesehen, z.B. die Großmaulmarkrelen.

Eine interessante Aktion ist das Einfallen eines Rießen-Schwarms (ca. 5000 Ind.) von Indischen Segelflossendoktorfischen (Zebrasoma desjardinii) in die Reviere und "Algengärten?" der Arabischen Doktorfische (Acanthurus sohal). Ich habe das 2 mal beobachten und einmal auch von Beginn an filmen können. Es war jedesmal an der Riffdachkannte. Zuerst flanieren die Zebrasoma "unschuldig" das Riff entlang und werden ständig von den Acanthurus weggescheucht. Doch dann geht alles ganz schnell. Wie auf Kommando dreht das Geschwader auf das Riffdach und die Nachkommenden schwimmen über die schon Fressenden hinweg um unmittelbar vor ihnen im fremden "Gemüsegarten" zu plündern. So geht das weiter und siehr aus wie eine Brandungswelle. Bei so einer Invasion herrscht Fressrausch und die verzweifelten Acanthurus versuchen sich vergeblich gegen die Übermacht zu wehren.

Bilder der beiden Arten habe ich hier schon einmal gepostet

http://www.fnz.at/fnz/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=4105
das von Zebrasoma desjardinii war während eines Fressrausches.

lg
Hemimastix


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BeitragVerfasst: 25 Jul 2009 08:22 
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hemimastix hat geschrieben:
...Ein Punkt z.B. wäre, das im Bereich der Bucht auch das Beschnorcheln des Riffdaches bei Flut nicht gestattet ist und die Wachmänner softort laut pfeifen und losstürmen um dich da wegzuholen. Daher sorgfältig und im Voraus mit den Verantwortlichen abklären. Es ist auch für Touristen die weggescheucht werden nicht einläuchtend, wenn ein anderer auf´s Riffdach darf...


spontane Idee dazu:

eine Boje mit großer Aufschrift "RESEARCH" beim Schnorcheln mitführen

natürlich brauchst du vorher das OK vom Management!

Bild

Alles Gute für dein Projekt!!!


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BeitragVerfasst: 25 Jul 2009 11:10 
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Danke Hemimastix für die Hinweise! Ich werde vor Ort dann schauen und absprechen, wie und wo die Versuche möglich sind.
Diese Überfälle von Zebrasoma desjardinii hören sich ja auch sehr spannend an, da werde ich mal drauf achten bzw. es dann auch erwähnen.

Und Helmut, die Idee mit der Boje finde ich sehr gut. Leider habe ich soetwas noch nicht, aber so eine Boje sollte es doch bei der Tauchbasis zu leihen oder kaufen geben oder?!

Dann mal noch ein wunderschönes Wochenende

.fidelfisch


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BeitragVerfasst: 21 Okt 2009 21:21 
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Hallo liebes Forum,
uiuiui, lange ist der letzte Eintrag her, aber ich bin noch in El Quseir und werkel auch immernoch an meiner Diplomarbeit. Leider kann ich Euch bisher von nicht sovielen Ergebnissen berichten.

Bis waren meine Käfige 3x unterwasser und gerade hoffe ich, dass sie jetzt für längere Zeit drin bleiben können.

Insgesamt habe ich 8 Käfigsets bestehend aus je einem geschlossenen Käfig, einem Käfig ohne Deckel und einer Kontrolle ohne Käfig. In jedem Käfig bzw. einer Kontrolle befinden sich 4 Fliesen, wovon alle 4 Monate eine entnommen wird um sowohl die Algenmasse als auch die Arten der darauf gewachsenen Algen zu bestimmen.

Als erster Problem gab es Schwierigkeiten mit der Befestigung. In mehreren Papern wurden die Käfige mithilfe von Nägeln im Fels verankert, da der Kalkfels bei so einer Aktion aber gesplittert wäre und man das entstandene Loch mit Unterwasser-Zement stopfen hätte müssen, habe mich dafür entschieden die Käfige mit selbstgegossenen Betongewichten und durch ein paar Leinen so im Riff zuverankern, dass die gesamte Konstruktion fixiert ist und kaum Bewegung ausgesetzt ist.

Das nächste Problem war der Standort. Im ersten Versuch wurden sie auf dem Riffdach in der Mövenpick-Bucht (oder Al Quadim-Bucht) mit viel Mühe installiert. Die erste Nacht konnten die Befestigungen auch der Wellenkraft standhalten allerdings waren die meisten Käfige nach 2 weiteren Tagen und trotz einer zusätzlichen Verankerung losgerissen und einige Fliesen zerschlagen. Letztendlich war ich froh als ich wieder alle Käfige zusammengesammelt hatte und wieder aus dem Wasser draußen hatte.

Aufgrund der Riff-Topografie der Mövenpick-Bucht bot sich als Alternative zu dem Riffdach nur die Sandfläche unter der Riffwand an, da ich keine Konstruktion für schwimmende Käfige hatte und auch keine lebenden Korallen als Untergrund benutzen wollte. Allerdings war eh schon klar, dass wir nur noch eine gute Woche in der Mövenpick-Bucht verweilen, sodass ich die Käfige in 10-16 m Tiefe mit einer großen Teamleistung (danke nochmal an die Beteiligten!) versenkte und mithilfe der Gewichte verankerte. In den folgenden 9 Tagen konnte ich mit den Fliesen aber nichts als Sediment fangen. Was zum einen daran lag, dass die Käfige ohne Unterlage bzw. Unterkonstruktion aufgestellt waren, zum anderen war die Sandfläche leicht geneigt, sodass die blöden Grundeln Sediment aufwirbelten, was sich auf den Fliesen sammelte.

Am neuen RSEC-Standort beim Radisson Blu Resort gibt es ein passenderes Riffdach, mit einer höheren Riffkante, sodass weniger Wellen überhaupt auf das Riffdach gelangen und außerdem ist das Riffdach auch breiter, sodass ich die Käfige in Canyons in ca. 1,5 m Wassertiefe unterbringen konnte. Ich verankerte die Käfige zwar wieder mit Gewichten und Leinen, aber sie hätten wohl auch nur durch ihr Eigengewicht die erste Woche überstanden. Allerdings gab es wieder neue Probleme. Obwohl ich die Käfige durch Korallenschutt und alte Riesenmuschelschalen auf eine Arte Empore setzte konnte ich eine gewissen Sedimentation nicht vermeiden, die in den Käfigen stärker als auf den Kontrollen ist, aber auf beiden Flächen zu hoch, sodass ich nicht glaube, dort in absehbarer Zeit vielversprechende Ergebnisse zu bekommen.

Inzwischen teste ich eine vertikale Position der Fliesen, wodurch sich kein Sediment ablagern kann, wobei aber das Finden von geeigneten Standorten weitaus schwieriger ist. Ein Kompromiss wäre vielleicht eine 45 Grad Neigung.
Zudem werde ich morgen testen, inwieweit sich die Rückseite der Fliesen,
also die raueren Seiten, besser eignen.

Soweit geht es halt langsam voran und ich hoffe, dass ich bald endlich ein paar Daten in den Händen halte. Wenn jemand noch ein paar gute Ideen hat, nur her damit.

lg aus El Quseir, bis die Tage

.fidelfisch


achja hier sind noch ein paar Bilder:

Bild
die Käfige an Land

Bild
der erste Standort auf dem Riffdach

Bild

Bild

Bild
...und das Ergebniss nach 3 Tagen

Bild
Die Käfige in der alten Bucht nach einer Woche. Ziemlich versandet, ohne Algen, aber...

Bild
...mit netten Besuchern


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BeitragVerfasst: 21 Okt 2009 21:37 
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Schön von Dir und Euch zu hören! Danke für den spannenden Bericht!

Bis demnächst in Quseir :)

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BeitragVerfasst: 01 Dez 2009 13:47 
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Es gibt Neuigkeiten:

Vor 2 Tagen war es nun soweit, dass nach 4 Wochen Besiedlungszeit unter Wasser, die ersten Siedlungsplatten entnommen wurden. Insgesamt waren es 24 Stück. Die Arbeit wurde aufgrund der ziemlich stürmischen See und des starken Windes, der seit vielen Tagen uns schon um die Ohren tobt, um einiges erschwert. Der Wind ist so stark, dass sogar Teile des Steges beschädigt wurden und an ein Schnorcheln bzw. Tauchen an der Riffkante, beim Hausriff nicht zu denken ist.
Aber zurück zu meinem Projekt. Nachdem frühere Konstruktionen nicht den erhoften Erfolg brachten, wurden die Käfige jetzt auf ein paar halbierten Ziegelsteinen vom Boden abgehoben, um die Sedimentation eizuschränken. Außerdem wurden die Fliesen mit der rauen Seite nach oben ausgelegt, damit potentieller Bewuchs eine rauere Oberfläche vorfindet.
Bei der Entnahme wurde jede Siedlungsplatte einzeln, noch unter Wasser, in eine verschließbare Plastiktüte gesteckt und im Anschluss untersucht. Neben der Sedimentmenge, die sich auf der Platte angesammelt hatte, wurde der Typ des Algenbewuchses (Turfalgen, Fleischige Algen, krustierende coralline Rotalgen, grüne Kalkalgen oder Makroalgen) sowie das Abtropf-Gewicht der Algen festgehalten.
Eine tiefergehende Auswertung fehlt noch, allerdings war fast überall einiges an Sediment zu finden, welches wohl durch den Turfalgenbewuchs festgehalten wurde, zum anderen auch das schnelle Wachstum weiterer Algen beeinträchtigte. Außerdem muss man bedenken, dass wir nicht mehr so warme Wasser-Temperaturen haben und die Sonneneinstrahlung auch geringer als im Sommer ist, sodass die Wachstumsraten zurzeit auch geringer ausfallen.

Etwas enttäuscht bin ich über den geringen Bewuchs schon, aber da kann man wohl nichts machen. Ich hoffe auf die nächste Entnahme in 4 Wochen...

Zur Veranschaulichung habe ich ein paar Bilder angefügt:

Bild
Sukzession des Bewuchses bzw. der Sedimentakkumulation:

Bild
von Sediment befreite Siedlungsplatte

und ein paar interessante Aufnahmen durch das Binokular während der Probenanalyse:

Bild
Ein Korallen-Sprößling

Bild
Turfalgenbewuchs

Bild
eine häufige benthonische Foraminifere

Bild
ein junger Polychaet

Bild
und ein junger Seestern

Bild
eine fleischige Alge: Padina

Bild
noch nicht identifiziert, vielleicht ein Gelege, aber von was? und wieso hat es sich so hart angefühlt? Hat jemand eine Idee?

lg aus Quseir

.fidelfisch


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BeitragVerfasst: 01 Dez 2009 17:48 
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Hallo Fidel! Danke, spannend, was sich so alles ansiedelt...

Ich denke auch, dass es ein Gelege ist, aber von was ...? :roll:

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BeitragVerfasst: 01 Dez 2009 19:22 
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Schön mal wieder was neues von dir zu hören fidelfisch! :)

Sehr interessant welche Vielfalt von Organismen sich da innerhalb so kurzer Zeit angesiedelt hat und auch beeindruckend, dass sich trotz des hohen Wellengangs so viel Sediment ansammeln kann.

Ich hoffe du bekommst noch viele gute, aussagekräftige Daten!

lg, Andi


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BeitragVerfasst: 01 Dez 2009 23:42 
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fidelfisch hat geschrieben:
Bild
Ein Korallen-Sprößling


Bist Du Dir ganz sicher? :roll: Könnte es kein Moostierchen sein? :roll:

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BeitragVerfasst: 01 Dez 2009 23:47 
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ja ist schon faszinierend was man unter dem Mikroskop alles entdecken kann - zumal jetzt keine Schmetterlinge mehr im Strahlengang liegen sollten :wink: - (siehe Mumienbericht)

http://www.fnz.at/fnz/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=4017&highlight=mumie

Versuche mal die Eier auszubrüten :lol:

Also im Ernst, so manches läßt sich in einem belüfteten Aquarium zumindest ins Larvenstadium bringen - dann wird die Bestimmung hoffentlich leichter!

alles Gute
Hemimastix


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BeitragVerfasst: 02 Dez 2009 13:11 
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Zitat:
Bist Du Dir ganz sicher? Rolling Eyes Könnte es kein Moostierchen sein? Rolling Eyes


Ich hab hier ein weiteres Foto von einem anderen Tier, dort hab ich den Konstrast mal etwas erhöht. Mit der Hartkoralle bin ich mir eigentlich relativ sicher, da man die 6-Strahligkeit sehr gut erkennen kann.

Bild


Zitat:
Versuche mal die Eier auszubrüten Laughing

gar keine schlechte Idee, ich werde mal schauen, dass wir unser Aquarium wieder zusammen basteln und wenn ich das Gelege wiederfinde bzw. ein neues oder etwas anderes interessantes kommt es gleich da rein. Vielleicht hat ja auch ein Volontär Lust auf Eier ausbrüten!? Zuviele Fliesen kann ich nur nicht auf Dauer entbehren, denn die müssen nochmal ins Wasser.

Eine Frage zum Forum hab ich noch, wie kann man denn dieses Zitieren machen, wie es Robert mit meinem Foto und so gemacht hat?!??

lg

.fidelfisch


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