
Abb 1: Edelkrebs Astacus astacus

Abb. 2: Signalkrebs Pacifastacus leniusculus

Unseren Flusskrebsen wird in letzter Zeit wieder verstärkt Aufmerksamkeit
zuteil. Man hat erkannt, welche große Bedeutung Krebsbestände für
unsere Gewässer haben, sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer
Hinsicht.
Flusskrebse und Muscheln fallen österreichweit unter das Fischereigesetz.
In West-Österreich sind drei Arten von Flusskrebsen heimisch, der Edel-,
der Stein- und der Dohlenkrebs. Der letztere allerdings nur an ganz wenig
Stellen in Kärnten und Tirol. Signal- und Kamberkrebs wurden aus Nordamerika
eingeführt, um die Krebsbestände zu erhöhen. Diese Krebsarten
sind jedoch Überträger der Krebspest, die äußerst ansteckend
und für die heimischen Arten tödlich ist. Gewässer, die mit
amerikanischen Arten besetzt sind, können nicht mehr für die heimischen
Arten verwendet werden. Die größte Gefahr für die Krebse kommt
also aus den "eigenen Reihen"! Eine weitere Krebsart die ebenfalls
in West-Österreich nicht heimisch ist, ist der Gallizier oder Sumpfkrebs.
Er wurde aus Osteuropa in einige unserer Seen eingesetzt. Er gehört auch
nicht hier her, ist aber kein Überträger der Krebspest.
In den Jahren 2002 und 2003 wurden die Edelkrebse im Bundesland Salzburg vom Institut für Zoologie (heute Fachbereich Organismische Biologie) der Universität Salzburg kartiert. Leitung: Prof. Dr. Robert Patzner, im Auftrag der Salzburger Landesregierung und des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Mitarbeiter: Mag. Stefan Achleitner, Mag. Stefan Langmeier, Mag. Sandra Schacherl, Mag. Alexandra Strasser, Mag. Thomas Strasser und Mag. Daniela Zick.
Der Edelkrebs war in früheren Jahren im ganzen Bundesland und speziell
im Flachgau häufig in vielen stehenden und fließenden Gewässern
anzutreffen. Die Kartierung hat gezeigt, dass es bis auf den Ausfluss des
Prebersees (Lungau) kein Vorkommen dieser Art in einem Fließgewässer
mehr gibt. Grund hierfür ist hauptsächlich die Krebspest, die seit
über 50 Jahren die Krebsbestände stark dezimiert hat. Weitere Gründe
sind Gewässerverschmutzung und –verbauung. Da sich jedoch die Wasserqualität
vieler Fließgewässer deutlich verbessert hat und immer mehr Bäche
restrukturiert werden, sind Chancen für eine Wiederbesiedlung des Edelkrebses
gegeben. Dabei ist allerdings zu beachten, dass solche Bäche in keinerlei
Verbindung mit Gewässern sein dürfen, die mit Signalkrebsen besetzt
sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind die aus Amerika stammenden Signalkrebse
Überträger der für die heimischen Krebse tödlichen Krebspest.
Im Flachgau, wo es die besten Vorraussetzungen für eine Wiederbesiedlung
gibt, sind jedoch sehr viele Gewässer mit Signalkrebsen „verseucht“.
Gute Edelkrebs-Bestände gibt es nur in einigen Teichen und Weihern, die
fast alle künstlich besetzt wurden. Bemerkenswert ist die in über
1.500 m Höhe lebende Population im Prebersee.
Der Steinkrebs hat sich inselartig in mehreren Populationen im Flach- und
Tennengau halten können. Aus dem Pongau und Lungau scheint er gänzlich
verschwunden zu sein, im Pinzgau hat es ihn wahrscheinlich nie gegeben. Er
wurde ausschließlich in Fließgewässern gefunden.
Von den nicht heimischen Krebsen kommt der Sumpfkrebs nur in den Trummerseen
vor. Er ist zwar nicht Überträger der Krebspest hat aber dennoch
den Edelkrebs von dort verdrängt.
Der aus Nordamerika eingeschleppte Signalkrebs besiedelt weite Gebiete des
Flachgaues, ist aber auch in den anderen Gauen zu finden. Er ist Überträger
der Krebspest und somit der größte Feind der heimischen Krebsarten.
Durch seine Robustheit ist er praktisch nicht mehr aus einem Gewässer
zu entfernen. Es wird dringend empfohlen, diese Krebsart nicht auszusetzen,
auch nicht in abgeschlossene Gewässer, aus denen die Tiere über
Land entkommen können. Ähnliches gilt für den Kamberkrebs,
der nur im Zellersee und im Fuschlsee anzutreffen ist.
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs wurde vor weniger Jahren in zwei Bereichen
der Stadt Salzburg gesichtet. Im Rahmen der Kartierung konnte er jedoch nicht
mehr nachgewiesen werden.
Univ. Prof. Dr. Robert A. Patzner
Organismische Biologie, Universität Salzburg
Hellbrunnerstrasse 34
A-5020 Salzburg, Österreich
robert.patzner@sbg.ac.at
Tel.: +43 (0)662 8044 5619
Fax: +43 (0)662 8044 5698
www.zoologie.sbg.ac.at/Patzner/home.htm
Abb. 1. Der Edelkrebs Astacus astacus ist stark zurück gegangen, soll aber wieder vermehrt eingesetzt werden.
Abb. 2. Der Signalkrebs Pacifastacus leniusculus wurde eingeschleppt und
ist Überträger der Krebspest. Somit der größte Feind
der heimischen Flusskrebse.